Freitag, 5. Juni 2009

Worüber die Feuilletons nicht schweigen können ...

Oft wird von den Zeitungen der Fehler begangen, Albernes, Triviales, Lächerliches oder schlichtweg Dummes als albern, trivial, lächerlich oder dumm zu bezeichnen. Damit tappen sie in die Aufmerksamkeitsfalle. Indem nämlich etwas in den Feuilletons besprochen wird, das dieselben Feuilletons als Unkultur zu brandmarken sich anschicken, sagen wir etwa die neuesten Ausgeburten bei RTL („Erwachsen auf Probe“), wird es ja erst ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt, und darf sich, solcherart ernstgenommen und besprechungswürdig, in den kulturellen Diskurs aufgenommen wissen, gehört nun zu den Gegenständen-die-im-Feuilleton-stehen. Was in der Zeitung steht, ist immer geadelt. Da ist es zweitrangig, ob diesem Buch, jener Sendung, jener Ausstellung, Lob, Tadel oder sogar rundweg Ablehnung zuteil geworden: Durch die Gnade der Aufmerksamkeit wird, was man als Unkultur anprangern wollte, gerade erst zur Kultur erhoben. Damit stellt sich jede Kritik der Verdammung, und sei sie noch so berechtigt, selbst ein Bein. Aber muß ein Feuilleton alles wahrnehmen? Wer dem Dilemma entgehen will, dem bleibt doch eins: Das Ärgernis gepflegt zu ignorieren und aus dem kulturellen Diskurs auszuschließen. Nicht als Abstrafung, weit gefehlt. Sondern weil es den Feuilletonleser, der sich an dieser Stelle lieber eine Buchbesprechung oder eine Theaterkritik wünscht, einfach nicht interessiert. Ich würde mir wünschen, die Zeitungen übten manchmal vornehme Zurückhaltung und wählten sorgfältiger, was sie überhaupt einer Erwähnung für wert erachten wollen. Damit träfen sie eine Entscheidung und zeigten Profil. Hätte nicht wenigstens eine Zeitung zum sogenannten Jahrtausendwechsel schweigen können? Oder zur Fußballweltmeisterschaft? Manche Dinge, will mir scheinen, wären in den illustrierten Wochenzeitschriften besser aufgehoben.
Sollte andererseits, was in diesem Fall nicht abwegig scheint, der Unsinn ein gefährlicher sein, dann muß wohl die Stimme erhoben und kritisch kommentiert werden; das ist in diesem Fall aber eher Aufgabe des Kinderschutzbundes, nicht der Feuilletons.

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