An habent et somnia pondus

Dienstag, 22. März 2011

AEQVINOCTIVM

Möwen im Stillstand. Die Luft, zerhackt von Schnäbeln und Blicken,

lüftet die Flaggen am Strom. Alte an Leinen, ein Hund

führt ihre munteren Knochen spazieren, durch Schatten querhin, wo

Gelbgebleckter Jasmin kratzt Apostrophe ans Wehr.

Fleißig säht alles den Tag aus. Dort zieht schon, der Ferne entgegen

Plastik, in Falten, im Strom, Buntes, wie Polkas im Eis.

Dienstag, 21. Dezember 2010

SOLSTITIVM

Zahlen brachten den Schnee, geräumige Nummern, die Tage
wuchsen nach Innen, der Nacht warfen sie
Leuchtziffern zu.
Letzte Hunde von gestern, Abendgeläute. Von Tagen
wimmeln die Augen, am Schild fallen die Namen
zum Grund.
Stillstehn. Im Ohr: das Eis. Wie es wächst, die mürben  Kristalle
wuchernd am Stiefel. Wirr stromert die Ferne zu Tal.

Donnerstag, 23. September 2010

AEQUINOCTIVM




Jeder Tag war heute mit dir und leuchtendes Immer.
Liebe, laß uns die Frist. Morgen beginne
die Zeit.



Mittwoch, 21. April 2010

Ein Sommernachmittag


Mittags war sanfterer Stein, und die Mauern aus schwalbenden Lüften
zogen an Blicken. Im Glas stürzte der Himmel zu Tal.

Dies wär Geschichte, vom Nebentisch hingen die lächelnden Augen
dir noch am Heimwege nach. Du aber wüßtest nicht, wie.

Kuchenkrümel und Gras. In den Socken steckt müde der Tag fest,
heißt nicht mehr Sonntag, im Flur riecht es nach Tinte und Tier.

Später kam doch noch der Abend, unverhofft, kehrte in milden
Flügen zum Garten zurück. Kraniche brachten die Nacht.

Blaues Streunen im Blick, ans Gestirn ein Traum fällt, der Abend
spaltet die Stunde in zwei. Wie zu dir kommen? Kein Weg …

Trauer wurde zu Stein. Ein Jammer verkieselte. Müde
wirbt nun das Moos um den Leib. Flügel sind Jahre aus Gips.


Freitag, 23. Oktober 2009

Wo der Herbst

Spinnen verzwirnten das Licht zu Kammern und Räumen. Am Weiher,
dort, wo der Herbst jetzt wohnt, sind sie schon lange zugang:
noch eine Landschaft am Schilf, zu den helleren Zeichen der Schwäne.
Unten der Himmel im Strom zittert, von Pfaden berührt.

Dienstag, 28. Juli 2009

Sommer, zu zweit

Sommer ging zu zweit in die Felder, die Löwenzahnschirme

flogen um deinen Mund. Leer blies der Auster zurück.

Montag, 6. Juli 2009

Endlich erschienen

Με μαύρον ήσκιον άγνωρον έπαίξ' η πεταλούδα ...

Dienstag, 26. Mai 2009

Origami

Raum für schreitende Pferde
über den Himmel hin, genug
Platz für die Wimpern, und die Fingerspitzen
für die Bauchhärlinge, die Picknicklöffel
Karos im Gras, jeden Augenblick ein Ballon kann
hängenbleiben am verwirrten Horizont.

Pflanzstädte, gesegnet mit herzvollen
Bestrebungen, erheben sich unter
klappernden Augendeckeln, nähren
sich von Wasser und blitzendem
Stein, machen kristalline Symbiosen.

Eine Fälschung am Wegesrand, so
üben die Blumen den Zirkus, und da:
Pappkameraden schielen über die Hecken
Spanner und Vogelvoyeure! Jemand muß sich
das ausgedacht haben,
ein Pappenheimer und
erfindungsreicher Garten-Clown.

Eine Singdrossel tut so als ob …
eine Amsel singt wie … die Dotterblume gleichsam …
Dornen, wie wenn …
Ja, so. Vergleiche: sind wieder zulässig, gehascht
wird wieder nach Worten und Bilder für alles Gebild
so viel an uralter Neuheit, vom Himmel
bröckelt der Putz.

Selbst Steine drängen zum Licht
aus der zähen Scholle, Knetblumen
die eine Kinderhand in die Hecke warf
leuchten in multibunt, natürlich die Fliegen,
haben ihre glitzernden Flugbahnen
aus dem Tuschkasten nachgezogen

Brunnen stehn offen,
in ihrem Inneren
schaukeln Stücke entwendeten
Himmels, das Wasser
lacht über einen ganz neues Witz,
zuletzt üben am Dachstuhl
die Tauben Dauerküssen.

So grün, das kann doch nicht,
so gelb die Tulpen, unmöglich,
die Farben sind doch geklaut
Himmel, Horizonte, Häuser von
Kinderhand gekrakelt, Malen
nach Zahlen, überm Bach verläuft
die frische Tinte, Wasserblau in Himmelblau,
das braucht man nicht zu üben.

Die Luft ruft Vögel auf
den Laufsteg, drüben
sägt es und klopft es
noch an den Kulissen, hörst du
von ferne die Schüsse des Salats,
die Wasserlilien sind mit Feuchten Schatten
leichbekleidet am blankgeputzten Weiher,
neigen, ein wetterfestes Origami,
die geschminkten Köpfchen.

Einem angetrunkenen Akrobat
gleich balanciert die Sonne auf
einer schrägen Fichte dahin.
Schüchtern haben sich die Schatten
wieder an die Füße der Wanderer geheftet.
Noch zaghaft, und so wacklig, daß sie Mühe haben, Schritt
zu halten, vorwärts Marsch, auch am Huf der Rehe
kleben sie, schon sicherer, am schwierigsten aber
nachzuhalten über den Boden sind
die Muster der Stare und
die Schwingen der Kraniche, die fliegenden
Pferde zumal am Himmel, der auch nicht
stille steht.

Freitag, 27. März 2009

Aber immer wieder weggedreht

Von Hunden habe ich auch schon oft geträumt, das ist was ganz Merkwürdiges, und das merkwürdigste daran ist vielleicht, daß es gar keine Hunde sind. Oder vielleicht doch. Also schon, es sind … Tiere. Es sind Tiere, die mich anschauen, oder auch nicht anschauen, aber die da sind und von mir wissen, selbst wenn sie mich ignorieren. Es sind keine Menschen oder Zauberer in Tiergestalt, sondern Tiere als Urform des Tiers, des Säugetiers wenigstens, des domestizierten Säugetiers zumal, mit Schnauze, Blick, Fell, Schnüffeln und Wedeln. Es ist etwas Verletzliches um diese Wesen, eine tiefdunkle Farbe bevorstehenden Schicksals. Sie sind gezeichnet, sind Verworfene, und doch Freie, die keines Mitleids bedürfen. Und so, ganz nah (wie das Gesicht von Hunden …), zugleich auf der anderen Seite von etwas Unüberbrückbarem, Unheilbarem, sind sie es, die bescheid wissen, und in deren Augen ein weiser Blick kommt, wenn sie Mitleid haben mit uns.

Mittwoch, 25. März 2009

Tierträume

Ein Zoo. Dunkle Giraffen, die mit gespreizten Beinen trinken und sich dann mühevoll wieder aufrichten. Manchmal stoßen sie ein wunderliches Gebrüll aus, als störe oder beunruhige sie etwas Dieses Gebrüll ist ein langer, dröhnender Schrei, ein Geröhre und Grollen, das sie mit gesenktem Hals ausstoßen. Auf ihrem Rücken sitzen kleine Affen. Später sind die Giraffen aber Kamele; und aus den Affen auf ihrem Rücken sind hohe, verfaltete, eingeknickte und mit langen Fellbüscheln gekrönte, schlanke Wülste geworden, ihre Höcker, so hoch und sperrig, daß man sich fragt, wo denn auf diesem Rücken ein Reiter Platz finden soll.

Giraffa camelopardalis (im Kölner Zoo)

Gestern bei Strabo folgendes gelesen (Geographica, 7.4.8):

ἔστι δὲ τῶν τετραπόδων ὁ καλούμενος κόλος, μεταξὺ ἐλάφου καὶ κριοῦ τὸ μέγεθος, λευκός, ὀξύτερος τούτων τῷ δρόμῳ, πίνων τοῖς ῥώθωσιν εἰς τὴν κεφαλήν, εἶτ’ ἐντεῦθεν εἰς ἡμέρας ταμιεύων πλείους ὥστ’ ἐν τῇ ἀνύδρῳ νέμεσθαι ῥᾳδίως.

„An Vierbeinern gibt es den sogenannten Kólos, der Größe nach zwischen Hirsch und Widder, von weißer Farbe und im Laufe schneller als diese. Er kann mit den Nüstern Wasser in den Kopf aufnehmen, auf das er dann als Vorrat über mehrere Tage hinweg zugreift. So vermag er leicht auch in Trockengebieten zu weiden.“

VOCES INTIMAE

... for we have some flax-golden tales to spin. come in! come in!

Kommt herein, hier sind auch Götter ...

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