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hemerolog

Freitag, 6. November 2009

Beim Laufen

Plötzlich flackert da Scheinwerferlicht durch die Bäume, sieht man den fahlen Himmel sich in Windschutzscheiben spiegeln, schimmern metallene Fahrzeugflanken, steht eine Gruppe schwarzuniformierter Männer an einem Lastwagen, der sich beim Näherkommen als Panzerfahrzeug entpuppt.
Unheimlich. Zwei Sendemasten von erheblicher Höhe, 10, 15 Meter, auf Einsatzfahrzeuge montiert, ragen auf. Die ehemalige Straße, wo sonst nur Jogger unterwegs sind oder Fahrlehrer ihren Schülern das Anfahren beibringen, ist abgesperrt. Die Fahrzeuge stehen in den kreuzenden Waldweg hinein und riegeln ihn fast ab, so daß man in den Schlamm der Böschung ausweichen muß.
Ich mag so etwas ja überhaupt nicht. Es reicht schon, um das Gruseln zu lernen, wenn man den Polizeihorden begegnet, die allsamstäglich an einschlägigen Bahnhöfen abkommandiert sind, ich muß nicht auch noch einer Gruppe finster dreinblickender, Krieg spielender Vermummter nach Einbruch der Dämmerung plötzlich im Wald begegnen.
Schon lange nicht mehr im Dunkeln laufen gewesen. Leichtsinnigerweise habe ich die Stirnlampe nicht mitgenommen, und so, das letzte Restlicht am Himmel noch von dichtem Nadelgehölz verschattet, bin ich gut eine Stunde über einen nahezu unsichtbaren Waldweg gestolpert. Nach Einbruch der Nacht ist mit Dunkelheit zu rechnen, weiß der Soldat der Bundeswehr, da ich aber gottlob nicht gedient habe, überrascht die Finsternis einen Ahnungslosen. Da hättem die Vermummten von vorhin mir ja ruhig mal einen Tip geben können.
Später, anhörig des bis ein Uhr früh anhaltenden Hubschraubergedröhns über der südlichen Ville, frage ich mich, ob es da eine Verbindung gibt, und wenn ja, ob man wirklich über dichtbesiedeltem Gebiet den Hubschraubernachtflug üben muß. Ich meine, wo sind wir denn hier, im Hindukusch?

Freitag, 21. August 2009

Albträume

Immer wieder zwischen vergessenen Bildern das fehlende Bein, die Frau, Freundin, Bekannte, ich kenne sie nur halb, die den Fuß verloren hat. Ein Text mit Riesenbuchstaben schwarz und kantig und enggedruckt wie die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen, aber keine Warnung, sondern die Feststellung einer Tatsache, „Ein roter Schnitt wird jetzt dein Leben teilen und bestimmen“, das meint den Fuß, sein Fehlen, die Tatsache, daß sie, wer immer es ist, diese Verletzung erlitten hat. Die Folgen dieser Verletzung jetzt aushalten muß, und ich mit ihr. Erschüttert mich bis ins Innerste. Quält mich. Im Traum der Gedanke an Prothesen, klack-klack. Die Hilflosigkeit. Das Nicht-mehr-Gehen-können.

Ich erwache, alles nur ein Traum. Bevor ich aber richtig erleichtert sein kann, schlafe ich wieder ein, und alles geht von vorne los. Diesmal fehlt der Fuß jemand anderem, einer Frau auch diesmal, die ich jedoch noch weniger kenne als die erste. Sie spricht davon, erzählt das Unglück, burschikos, wie man über ein kleineres Mißgeschick spricht. Meine Erschütterung genauso tief wie die des ersten Traums.

Dann Szenenwechsel. Meine Vermieterin spricht mir und meinen Eltern die Kündigung über unsere Wohnung aus, und es ist die Vermieterin, mit der ich in Wirklichkeit seit Juli einen Vertrag habe. Wir müßten das dann noch unterschreiben sagt sie und gibt uns mehrere unterschiedlich lange Plexiglasplatten, auf denen vermutlich irgendein Text abgedruckt ist. Ich habe den Hintergedanken, vielleicht noch einmal mit der Vermieterin zu sprechen und zu einer Einigung dahingehend zu gelangen, daß ich alleine doch wohnen bleiben darf, daß für mich also eine Ausnahme gemacht wird, ein Vorzug.

Später laufe ich in einem Gewächshaus und bin ganz enttäuscht über die kurzen Strecken, und daß man sich auf so kleinem Raum ja unmöglich verausgaben könne. Fast ist es ein Traum, wo man nicht vorankommt, die Beine nicht vom Boden lösen kann. Dahinein mischt sich noch ein weiteres Bild, eine Frau in einem Bus auf dem Platz neben mir, eine Schwarze mit langem Kraushaar, sie weint, und ich versuche sie zu trösten, sie sagt, es ist nicht deswegen, es ist, weil sie Angst um ihren Job hat. Das ist mir unangenehm, ich weiß, daß ihre Angst berechtigt ist, und kann ihr nicht helfen, nicht einmal Mut machen.

Donnerstag, 20. August 2009

später

und plötzlich erwacht man und alles ist ein danach, ein später.

wohin man geht, ist garten, ist umgrenzung, rand. hof oder schatten, alles verweist selbst noch in der sonne und auf dem hügelkamm auf ein draußen, das hier nicht zu finden ist. aber auch nicht dort oder drüben, nirgends. draußen. damaliges außen. jetzt säuselt noch etwas hallendes, wie aus weiter ferne oder ferner zeit, oder einsam in einem großen, weiten und klingenden raum. und später, die zeit überreif verfärbt wie liegengelassenes obst, läuft von einem punkt weg, auf den sie, früher, davor, eben noch, wann? zugeeilt ist.

da wird der sommer zum abbild seiner selbst, zu einer geste, dahinter die jahreszeit und überhaupt jede zeit, verschwindet.

eingesperrt in den höfen die stille, die sich an einem augenblick im dunstigen mittag zu erkennen gibt. im verborgenen gewirkt, reif geworden, hat sie sich das alter früherer sommer, vergangener, zu eigen gemacht. so spricht sie mit den offenen schnäbeln der vögel, die zu schweigen verstehen. ein flattern im gesträuch, wippende äste. anwesenheiten. geschöpfe (oder geister?) die sich nicht preisgeben wollen. die beeren, ein leuchten von gestern. die amseln: als warteten sie auf ein signal. ein zeichen wofür?
wie aus papier stehen die straßen, ihre sprödigkeiten erzählen sich farben, die schon verblaßt sind. alles ist erzählung dieser tage. erinnerung an erinnerungen. das licht, wie es staubig von den fassaden zurückfällt, ist ein zitat, das glitzern auf dem ententeich ruft sich selbst in erinnerung, alles, was jetzt grün ist, verdankt sich einem vergessen. liegengeblieben das gelb des greiskrauts und des rainfarns an den knisternden wegrändern, die vergessen haben, wohin ging es noch gleich? unsichtbar an den kehren ein rascheln von schritten, das nie näherkommt und sich nicht entfernt. ein augenblick des wegsehens und die violetten tüten des riesenspringkrauts dürfen noch bleiben und bleiben übrig. vermutlich sind sie morgen auch noch da.
zwischen dem anhaltenden sonnenlicht und den gegenständen, die es zurückwerfen, verspinnt sich die erinnerung einer farbe, einer schwierigen farbe, der farbe nicht eines gegenstands, einer zeit selbst nicht, sondern die einer mischung, einer summe: die aller spät- und nachsommer, die schon gewesen sind, und die in jedem weiteren sommernachhall wieder zur sprache kommen müssen.

Montag, 6. Juli 2009

...

In der eigenen Wohnung mit nahezu schalldichten Ohrstöpseln hocken. Abgeschottet und selbst im Haus noch einmal im Käfig. Verriegelt und vergraben, vertrieben in noch ein kleineres und immer kleineres Reich, die Stille, die nicht weiter reicht als das zugepflasterte Ohr. Das Deprimierende dabei. Wie ich es hasse.
Nun natürlich auch das Rotkehlchen und die Mauersegler nicht mehr zu hören. Verstummt neben all dem Widerwärtigen auch die wenigen beglückenden Töne.
Einmal habe ich am Waldrand gewohnt, in der Annaberger Straße, in einem der letzten Häuser vorm Wald. Abends sang immer eine Singdrossel, als längst alle anderen Vögel verstummt waren. Immer dreimal die selbe Phrase. Tüdelüt Tüdelüt Tüdelüt ... didadiii didadiii didadiii ... Es war, als könnte sie die Zeit davonsingen, so lange blieb es Abend. Im Herbst und Winter rief ein Käuzchen die halbe Nacht lang, und manchmal kamen die Wildschweine heraus aus dem Wald und grunzten und schnauften und ließen Zweige knacken, so nah, daß es sich anhörte wie in der Straße, unterm Fenster.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Το Πάθος Χιλιάδες Φορές

Το πάθος της αναμονής ...

Quelle: Ekdosis Kastaniotis


7 Jahre schreiben
7 Monate und 7 Tage Verspätung
777 Seiten

Am Montag erscheint Band zwei der Trilogie "Με το παράξενο όνομα Ραμάμθις Ερέβους: "Το Πάθος Χιλιάδες Φορές" von Zyrana Zateli.

Sonntag, 21. Juni 2009

Solstitium


Vögel entsangen die Zeit ihrer Fesseln, sie stießen den Tag ins

Immer. Die Sonne am Pol brachte den Himmel zu Fall.



Freitag, 5. Juni 2009

Morgen

wird alles anders!

Aufgefallen:

Die älteren Schwulen, die jeden Morgen einander und den öffentlichen Bücherschrank in der Poppelsdorfer Allee belauern. Der hoffentlich haltlose Verdacht, sie könnten die Funde später in ihren Antiquariaten verkaufen.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Von Vernunft des Unpraktischen

Die Entscheidung gegen etwas Praktisches und für etwas Schönes ist eine Wahl, die ihrer eigenen Vernunft gehorcht, einer ästhetischen Vernunft nämlich.
Es ist nicht praktisch, täglich fünf Stunden Violine zu üben; es ist nicht praktisch und überdies unbequem, zwei Stunden stillzusitzen, um eine Mahler-Sinfonie zu hören; es ist ziemlich unpraktisch, Monate und Jahre am Schreibtisch zuzubringen, um einen komplizierten Roman zu schreiben. Noch viel unpraktischer ist es, im Alter von 4 Jahren zu lernen, auf den Zehenspitzen zu stehen, um Ballettänzer zu werden. Unpraktisch auch, in Platten aus Teig feine Schichten aus Butter einzuwalzen, um einen luftigen Blätterteig herzustellen. Völlig unpraktisch, Jahre mit dem Studium des Altgriechischen zu verbringen, nur um ein Fragment der Sappho goutieren zu können.
Praktisch wäre es, keine Bücher zu schreiben, keine Musik zu komponieren, den eigenen Wortschatz auf 500 Wörter zu beschränken, Chinesisch statt Latein zu lernen, kein Instrument zu beherrschen, nicht zu singen, nicht zu tanzen und immer zu McDoof zu gehen, wenn der Hunger zwickt. Cola ist praktisch, Chardonnay schwierig. Doch wer das Schöne will, kommt um das Unpraktische nicht herum. Das praktische Leben ist öde. Es ist banal. Das schwierige Leben aber ist nicht banal, niemals langweilig, und manchmal ist es sogar schön. Manchmal wiegt nämlich ein einziger Vers der Sappho Jahre des Griechischlernens auf.



Dienstag, 17. März 2009

Frühlingsfieber

Sich fühlen, als hätte man einen Fieberanfall hinter sich, nicht nur unendlich müde, sondern auch wackelig auf den Beinen, Watte im Kopf und die Augen geblendet von eigentlich keinem Licht, oder als käme es aus dem Inneren, aus dem eigenen Schädel. Vorhin durch den Wald gezittert und eine Stunde später immer noch einen Puls von 80. Die Vogelstimmen hallen leicht nach wie aus einem Traum. Oder eine Illusion, ein Imitat ihrer selbst.

Endlich The Time Traveller’s Wife durch und froh, daß dieser Albtraum zu Ende ist. Zuletzt fürchterlich überreizt. Statt es in einem hinter mich zu bringen, hab ich den Schrecken nur verlängert, weil ich mehr als ein paar Seiten täglich nicht ertragen habe – und auch die nur morgens und mittags im Zug, weil man da mehr Abstand hat.

Alsos Threpsoneires

... for we have some flax-golden tales to spin. come in! come in!

Kommt herein, hier sind auch Götter ...

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