Astartes Lächeln

Mittwoch, 3. Juni 2009

Träume

Alle paar Nächte jetzt diese Träume. Machen traurig und wild, machen verlegen und ängstlich, stimmen zärtlich und verwirren, und die Vögel, beim Erwachen, hören sich an, als seien sie wo übriggeblieben. Die Abgliederung von Fenster, Bettpfosten, die Schatten alles so exakt, daß man daran verzweifeln könnte, unausweichlich.
Wo waren wir und wer war sie? Wo ist sie jetzt? Wo, zum Teufel, bist du selbst? Das Zimmer, die Sachen, in denen dein Schweiß noch steckt und nach gestern riecht, die Trauer abgelegter Textilien, und auch nur deine eigenen, jetzt bist du einfach nur hier, hier, am trivialsten aller Orte, und es ist zum Heulen, während doch gerade noch, zu nah und unerreichbar für jede Uhr, unmeßbar, du festverwoben warst in Herzvollstes. Da war eine … Eine, die dir Geheimnisse verriet. Eine, die dir Geständnisse machte. Du, ich muß dir … Ich glaube, ich bin ein bißchen … Glücksbangigkeit. Alina D., Anna E., oder wen sie im Traum sich deuteten. Wirwirwir. Spazierwege handinhand. Kein Kuß, das Versprechen eines Kusses. Und immer die Schuld. Das Schonversprochensein, das allem entgegensteht.
Alles schon erlebt, und der Traum hält dir das noch einmal hin, das ist das Schlimme. Wie du dieses Gefühl kennst, erlebt hast, dachtest, bis zur Neige. Nie genug, siehst du jetzt ein, während du in die sauren Klamotten steigst, unerlöst und zurück auf das riesige Kissen starrst, wüstenleer.
Nach einem solchen Traum ist der ganze Tag überzuckert. Trifft man dann auf ein Diesseitslächeln, die Frau in der Wirklichkeit, nicht auszudenken, da schießt einem heiß das Blut ins Gesicht, man starrt und bringt kein Wort mehr heraus. Obwohl sie auf dieser Seite der Träume nichts mit dir zu tun hat. Sie ist dir fremd wie nur je eine. Oder war es gerade deshalb, weil?

Mittwoch, 7. Mai 2008

Ex Libris

Wieder einmal sind die Bücher mehr. Du lebst aus Büchern, du lebst durch sie, du saugst dein Lebenselixir aus ihnen, das, was in dir war, schon immer, und was dir jetzt widergespiegelt wird aus dem Imaginiert-Realen oder auch Real-Imaginierten. Balancieren auf einer Grenzfläche, solange die Konzentration der Einbildung, des Vorstellungswillens nur währt, bereit, zu beiden Seiten ins Diesseits der Ernüchterung abzustürzen, krank vor Eifersucht auf dich selbst, auf das Wunderleben, das an deiner statt das andere du dort lebt.

Donnerstag, 5. Juli 2007

...

dunkelstes:
das wiedererwachen. die zerbohrten kußkanäle. der raum zwischen blitz und finger.
hellstes:
die angst. die feder. das einzige bleibewerkzeug.
längstes:
der maulwurf. der wappenbaum. der raum zwischen wand und hand.




Mittwoch, 4. Juli 2007

Auf dem nachhauseweg

manche blumen blühen nur nachts, da könnte man lange dunkelheiten umschichten, so zielsicher wie die meerenen flügel des falters wirst du nie für die grenzflächen der angst gewonnen sein.
hier ist der kühle docht, sieh, wie er geschwollen ist vom dunkel. auf kleinen zetteln verteilt: ein lächeln, das protokoll eines abends, lampions überm kiesenen strom. auf manchem heimweg ist die luft von haaren bewachsen, daß es schwelgt von puppigen augenlidern. gelbe türen, gebohrt ins abgeschiedensein von glasstille, halten das licht offen. tritt ein. gerade noch mit dem gestern beschäftigt, gelingt nun mit zittriger schrift dem müll ein epitaph. späteres wechselt mit früherem, heimgänge mit weinenden frauen, mutiges mit zimteis: in einem telephonbuch müßte man ihn nachschlagen, den geschmack deiner lippen. ein finger drückt sich aus dem hellen innern des busses. er malt der nacht ein licht nach, zeichnet ihr was auf die sohle. manche telephonbücher sind in der reihenfolge deiner farben geordnet, deiner füße und reißverschlüsse. wer könnte da die linien finden, um die sich die hände geschlossen haben? so verloren wie der falter wirst du nie zur blüte sagen: ich bin.



Dienstag, 19. Juni 2007

Melpomene

und über allem der mond das bleiche gesicht voller klingen
weht es uns an wenn im busch schwarzes geflüster sich regt
blätter sehnt es nach schrift nach worten die stirnen des mittags
kahl wenn die messer des lichts stürmen die himmel hinauf
sprich doch zu mir, Melpomene, von neunen die herbeste, lieb mich
aus deinem freundlichem MUND hauch deine klarheit mir ein:
daß ich ASTARTES gesicht und ihr grausames lächeln in bann tu,
werfe die wilde schar fort in die knäuel der nacht.




Freitag, 13. April 2007

wegekreuz

Gestern an alten wegekreuzen vorbeigelaufen, erschöpft zuletzt schon, und mit einem atem, der dünn ist von zweieinviertel stunden wegs, ins seltene gelaufen, in überwachsene pfade, filigranes, zitterndes, gewoge von mücken. zeit. zeit, die hier als ein licht greifbar scheint, als ein stofflich-atembares dunkel, das für sich an solchem ort existiert, in abwendung und gleichgültigkeit. daß ich hier war, zuzweit, es ist wahr und gleichzeitig nicht. so ist das, sage ich mir, schon zum soundsovielten male seit damals, seit der letzten gütigen erscheinung ASTARTES, sage ich mir vor: so ist das. so war es. aber keine grammatik hat das geeignete tempus für diesen satz, so viele sprachen man auch kennen mag.





Mittwoch, 11. April 2007

auf einem alten friedhof, an einem tag im februar

wieder erinnerungen, wo man bereit ist, sie nicht zu erwarten: das brot im knisterlaub, in die helle geschrieben. wabernde schaufenster, herrische verkehrsampeln. überall, fast überall. hier war ich mit dir, und ich sollte wohl besser „ihr“ schreiben, und da waren wir auch.
laub im hof: in ständigem kreis kratzen wieder die sterne ans fenster. die altäre stehen leer. moos auf den knien von statuen, den flügeln von engeln, spitz wie schulterblätter. zwei schwerter des behutsam aufgehobenen glücks, messerscharfen glücks. ein ichkannnichtmehr, dessen blaßrosa schrift verläuft und eins wird mit erde und duft. klarsichthülle um abschiedsbrief, während schritte sich entfernen, handinhand, und der kies leise knirscht, als schäme er sich, ein geheimnis preisgeben zu müssen.





Über der Stadt Trier

auf der brücke sah
er sich noch einmal um, während allerorten
ASTARTES
schweigen wuchs und wuchs
ein wanderer mußte er werden, nun
da der strom unten in reine strahlung
aufging, die brücke in nichts als in
helle fortrug

da stand er und sah
erde sich drüben beständig in himmel
wandeln, in leuchten
drüben, am ende schon,
wo der wein überm ufer des raums
nur ein atmen war hinauf
klimmende höhung, streckung
in wölbung und zeit.

zeit:
wäre sie wenigstens
voll mühe und mürrisch
täte sie doch weh
und wär nicht dies lächelnd
zergleiten unter
Auge
und schweigen, das wächst und wächst
der schönen,
der schrecklichen
ASTARTE.




Freitag, 20. Oktober 2006

Astarte

da strudelt monatsweises blut,
neigte sich strömungsaufwärts
geringelt von fisch und tang und
rhodophyten und
aus den Flüssen
schwieg es wie von Silbernächten empor.

gehegtes gehege, selbstentworfnes labyrinth, irrgarten zum irrlichtern, translucide schranken, geliebte zellen, beschriftete stunden, seelendreiecke

manchmal schien es ja, daß die flüsse
sich gegen neigung und steigung und
schwere wandten.
schlangengleich trieb und benahm seelen der träume
zitternde kühle aufwärts. wolken schwammen
dahin, licht folgte auf licht, auf licht.
manchmal fiel schatten
auf die Böschungen nieder und
senkte sich tief ein ins Ried
erlöschender farbe.

so ruhte jemand. so wird auch wieder einer ruhen am flusse, geblendet vom

lächeln der ASTARTE,

ihrem ersterbenden mund. wird die lichter aus seinen augen nehmen und fortschleudern, damit nun mit den sternen er sähe. steht, wo die dunkelheit harrt wie ein tier, argus der die tagträume gefangenhält, die schüchternen kühe des waghalses. da hockts, den blitzenden leib geschlungen um verwesende tage, auf die er, und du, und wir stolz sein mochten. vergangenheiten pochen innen an venen und gefäße, von lächelgesichtern sind nur mehr Photographien übrig, züge fahren noch einmal ab, noch einmal packt man die tasche, fenster erblinden abermals, die tonnen erzittern und schütteln das wasser ringförmig aus krone, himmel, geäst. während eingedenk

der wilden der schönen der schrecklichen
ASTARTE

man den dampfenden becher führt zum munde noch einmal und abereinmal.


.

Donnerstag, 28. September 2006

...

ja, es ist sturm in der welt

und allerewig anfang zum wiedermal.

vogelgesang ruft uns die ewigkeit zu
während es überall sterblich sommert
es ruht jemand am flusse geneigt an modrige
sonne. am fuß klirren kiesel voll
herangerollter fernen. pappeln stürmen.
schiffe erklimmen die wolken
erstrebend brüllende fernen und meere.
im grase tummeln die ordnungen
er zählt sie auf. so viel hat er gelernt vom lernbaren.
ampfer wegerich knöterich lattich und da:
silbrige kranichfliege
vom nichtlernbaren:
daß es ist. was hilfts wenn
ASTARTE
gelächelt hat?


.

VOCES INTIMAE

... for we have some flax-golden tales to spin. come in! come in!

Kommt herein, hier sind auch Götter ...

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