In Nemore
Dienstag, 6. Mai 2008
Mittwoch, 16. April 2008
Noch ein Traum von E.
später wieder vor einer scheibe, ein schaufenster in bonn, bahnhofsnähe, das schaufenster einer bäckerei, wir lagern dort (auf einer portaledge? einem gerüst?), während ein gelehrter (gastvortrag) auf die scheibe des schaufensters malt und dazu doziert, einen zusammenhang herstellt zwischen den bewohnern des einen landes, die die frisuren der bewohner eines anderen landes kopieren und dann wieder von den ersten zurückkopiert oder -variiert werden, und dann „haben wir einen diskurs!“ sagt der gelehrte und breitet veranschaulichend die arme aus. ich sage etwas sehr allgemeines zu E. und dann füge ich ironisch hinzu, sie sei bestimmt beeindruckt von der scharfen exaktheit meiner bemerkung, und während sie herzlich darüber lacht, ist ihr mund wieder ganz breit.
Montag, 14. April 2008
Abermals Traum von E.
Ein Traum von E. Zuerst bei ihr in einer merkwürdigen Kellerwohnung. Wir sind uns wieder näher gekommen, trotzdem bleibt sie (Sinnbild unserer ganzen tatsächlich stattgehabten Beziehung) fremd, geheimnisvoll, unergründlich-unzugänglich oder sprunghaft unvorhersehbar, beginnt plötzlich Vorwärtsschwünge an einer niedrigen Reckstange zu üben (ihr schwarzes Haar fällt ihr vornüber). Später bin ich allein in der Wohnung, nackt im Bett, da kommt jemand herein, und ich habe panische Angst, es könne ihr Freund M. sein. Ich bedecke meine Köpermitte hastig mit der Decke und hersche den anderen an, er solle bitte gehen. Er ist einer von E.s Studenten, der etwas mit ihr besprechen will und durchaus keine Anstalten macht, zu gehen. Dann kommt noch jemand, wieder die Angst vor M., aber wieder ein anderer.
Es geht immer wieder darum, ob wir oder nicht, aber was genau? Miteinander schlafen? Uns wieder zusammentun?, Eine Daueraffäre habe? Alles zusammen. Ich umarme sie. Ich beruhige sie. Ich bin fern von ihr, sehe sie auf einem Poster, sie hat ganz kurze blonde Haare, ein rosafarbenes weites T-Shirt, eine Halskette. Ich bin fern von ihr, hoffnungsvoll, quälend-hoffnungsvoll fern.
Schließlich will sie mich spontan in den Mund nehmen, aber bevor sie sich noch richtig über mich gebeugt hat, glänzt schon ein Samentropfen auf ihrem Kinn, und dann werden es immer mehr, obwohl ich noch gar nicht gekommen bin, Schlieren, die ihr auch störend die Augen verkleben, und die ich, immer besorgt, es könne ihr gleich zuviel des guten sein, mit einem Taschentuch wegzuwischen versuche, wobei ich sie nur verteile, so daß sie fortfährt, ihre Augen zu reiben.
Beim Erwachen der Regen. Die traurigen Tücher. Das träge, aus den Tiefen der Zeit aufsteigende und in dieselben Tiefen zurückfallende Prasseln, Pladdern, Tropfen. Das Tropfen.
Donnerstag, 3. April 2008
Föhren
Donnerstag, 20. März 2008
Musiktraum
Konzertante Aufführung einer Oper. Drei Mezzosopranistinnen oder Altistinnen, auf etwas wie Thronsesseln sitzend, auf einer Bühne, sehr nah; die Gesichter geschminkt und bleich unter Perücken; sie sitzen seltsam starr; die Münder klappen puppenhaft auf und zu, während ihr Gesang den Raum füllt und sich, in den Terzen und Sexten, zu leuchtscharfen, beinah schrillen Schwebungen überlagert. Jemand findet das unangenehm, ebenso wie ihr rhythmisches, stark schwingendes Vibrato. Ich aber bin fasziniert und jubele innerlich, wenngleich ich verstehen kann, daß jemand diesen Klangeindruck als schwierig empfinden mag.
Montag, 26. November 2007
Handke lesen
In all dem banalen Geschrei, dem lieblos dahergequatschten Wortbrei, dem ausgetretenen, albernen Geschwätz, das einem tagtäglich aus Titelseiten, Überschriften, Zeitungsspendern, Werbeprospekten hervorquillt, aus dem Radio, dem Fernseher entgegenbrüllt, aus der Supermarktbeschallungsanlage tönt, quietscht, albert, in all diesem zum Davonlaufen vergnüglichen, lustigen, vor Ödnis überschnappenden Gewäsch, Geleier, Getröte, Gequieke ist ein Buch wie Handkes Mein Jahr in der Niemandsbucht eine herzwärmende Linderung. Mit vor Überraschung ungläubigem Staunen, ja, Ehrfurcht folgt man dieser so feinen leisen, vielverzweigten, tönenden, summenden, schauenden, schöpfenden leuchtenden, irisierenden Prosa, oder müßte sie so lesen, wie sie dort farbig und erdwarm aufschimmert, mit einem tiefen Atemholen. Ein Raum der Stille tut sich auf, in dem man statt Gewäsch plötzlich wieder Wörter hören darf und jedem Wort und seinen Beziehungen zu den anderen Wörtern die ihm eigene Schwere zufließt; Ausstrahlung, Verästelungen, Wirbel und Bögen werden zwischen diesen Kristallisationskeimen von Bedeutung ertast- und ablauschbar, ein Raum entsteht, der die Wörter erst zu Wörtern macht, sie von allem Gerummse und Mißton befreit, sie abschält und bis zu den Wurzeln herunter freilegt, und so verwandeln sie sich, Urwörter, Gesteinswörter, Erdwörter entstehen so, die sich in einem ruhigen Strom, einer Anrufung gleich, einer Liturgie fast, zu einem ebenso mächtigen wie ruhigen Strom nicht aneinanderreihen, sondern: aneinanderfügen. So etwas zu lesen ist wie eine kühle Salbe auf wundgescheuerter Haut. Eine Oase in der Sprachwüste. Ein Klang. Eine Offenbarung. Ein Trost.
Donnerstag, 8. November 2007
Traum
Ich sitze auf einem Treppengeländer, das die Stufen zu einer Art Amphitheater teilt und habe Ausblick auf eine Schlucht, auf graue und rosa Sandsteinfelsen auf der anderen Seite, oben ein Buckel, durch einen Riß von der senkrecht abfallenden Klippe getrennt, und darauf wie die Krone auf einem Haupt, ein Schloß, eine Burg, eine Ruine? Dazu erklingt von seitlich, von hinten, mächtige Musik eines unsichtbaren großen Orchesters, leuchtende, glänzende, flirrende Streicher, Gebraus und Geklirr von hohem Blech, chromatische Abwärtsgänge, Wirbelwinde, das Ende eines großen Symphoniekopfsatzes, so hört es sich an, aber es klingt nicht mit einem gewaltigen Tuttiakkord aus, sondern in einer sehr einfachen, verspielten, bukolisch gefärbten, von zahlreichen Vorhalten (man fragte sich erst, ob es Ansatzprobleme waren, ein Verschlucken des Rohrs) verzierten Oboenmelodie, in der Atmosphäre ganz ähnlich, wie es Brahms in seiner zweiten Symphonie gemacht hat.
Dann sollten wir Zuhörenden ein wenig Platz schaffen, denn der Oboist, hieß es, brauche mehr Raum für das nun folgende große Solo des zweiten Satzes.
Eine Melodie, die nicht mehr erklang, denn zu meinem großen Bedauern erwachte ich in diesem Augenblick.
Sonntag, 23. September 2007
Ende des Sommers (Aequinox, ein Epigramm)
während ein Morgen entschwand unter dem schwingenden Blau.
Noch einmal schenkt uns die Zeit einen säumigen Aufschub, als wärealles ein froher Beginn, was ihren Händen entfällt.
Dürr steht der Sommer am Feld, in azurene Winde gekleidet.Morgen gibt er das Jahr, müde vom Licht, uns zurück.
Mittwoch, 5. September 2007
Sommerepigramme (15)
Küß mich bei den Schatten, den staunenden Hölzern und Hagen.
Artemisia selbst zuckert die Keuschheit ins Heu.
Montag, 3. September 2007
Sommerepigramme (14)
Blick übers Feld. Auf holprigem Wege stolpern die Blicke.
Tagschweiß, ein Nicken, sie lacht. Nacht läßt die Kronen erblühn.






