An habent et somnia pondus

Montag, 9. Juni 2008

Sommerepigramme II,3 In horto sinensi

Abdruck wie feuchtsüßer Schlaf, ein Gitter von Stoff auf der Schulter.

Schlaf. Dein Schlaf, und mein Traum. Bloßer Gedanke: des Wegs

Kühne Raffung. Die Finger schon knospend von Tastung und Schweißfilm –

Nur im Gedanke, im Wort. Keusch war die Luft, war der Raum.





Donnerstag, 5. Juni 2008

Sommerepigramme, zweiter Teil (2)

Häuser, ein seltenes Innen, wo alles umkleidet von Außen,
Spiegel und Krümmung: ins Band merkender Schatten hinein.
Unter die Dächer des Sommers trägt es die Speere und Pfeile
Keuschester Traumes-Tat. Zögernder war nie ein Wunsch.

Freitag, 30. Mai 2008

Sommerepigramme, zweiter Teil (1)

Wieder ist Name & Zeit. Im Dunkeln zu sprechen der eine,
Sie aber, dunkelster Strom, wechselnde Deutungen weiß.




Dienstag, 6. Mai 2008

Bahnhöfe oder Brücken oder

ich stelle mir vor, wie es wäre, aufzuspringen, hinauszuhechten durch die sich schon wieder schließende bustür, straßenbahntür, zugtür, und dir nachzu-… bevor die treppe sich um einen letzten schritt kantet … doch im nächsten augenblick blitzt die sonne auf dem wasser, ein blatt knistert über den beton, schatten stehen unter der brücke, und leuchtendbunte fahrräder. die zunge am gaumen, die hand gestreckt gegen das licht, dastehen, blinzeln. den kopf einziehen. und für ein du hat es wieder nicht gereicht.

Mittwoch, 16. April 2008

Noch ein Traum von E.

noch einmal von E. geträumt: ein vereinshaus, eine versammlung, ein club, wir zu gast, halb teilnehmend, halb unbeteiligt, stehen, sitzen, hängen (?) in einer vorhalle, einem foyer, vor einem dunkelspiegelnden fenster, und E. zeigt mir, will mir zeigen, was ihr freund M. ihr auf die rechte brust geschrieben hat (eine blauschwarze eddingtinte, leicht verschmiert), ich will es gar nicht wissen, nein, ich will es nicht, erhasche aber einen blick darauf, auf die über E.s sanft nach außen fallende brust gewellte schrift, sehe es augenwinklig ohne zu lesen, aber E. sagt es mir, er habe geschrieben, frauen sind flirterinnen? ich lach mich schlapp, und sie findet das höchst komisch, schüttet sich aus vor lachen (ihr mund sehr breit dabei), „er lacht sich schlapp, verstehst du?“ und da begreife ich den tieferen witz, „er lacht sich schlapp“, das heißt, er ist schlapp und zwar, wie E.s lachen zu entnehmen ist, in einem ganz besonderen sinne.
später wieder vor einer scheibe, ein schaufenster in bonn, bahnhofsnähe, das schaufenster einer bäckerei, wir lagern dort (auf einer portaledge? einem gerüst?), während ein gelehrter (gastvortrag) auf die scheibe des schaufensters malt und dazu doziert, einen zusammenhang herstellt zwischen den bewohnern des einen landes, die die frisuren der bewohner eines anderen landes kopieren und dann wieder von den ersten zurückkopiert oder -variiert werden, und dann „haben wir einen diskurs!“ sagt der gelehrte und breitet veranschaulichend die arme aus. ich sage etwas sehr allgemeines zu E. und dann füge ich ironisch hinzu, sie sei bestimmt beeindruckt von der scharfen exaktheit meiner bemerkung, und während sie herzlich darüber lacht, ist ihr mund wieder ganz breit.

Montag, 14. April 2008

Abermals Traum von E.

Beim Erwachen der Regen, aus den Tiefen der Zeit aufrauschend, die Tücher der Helligkeit, die traurigen Tücher.

Ein Traum von E. Zuerst bei ihr in einer merkwürdigen Kellerwohnung. Wir sind uns wieder näher gekommen, trotzdem bleibt sie (Sinnbild unserer ganzen tatsächlich stattgehabten Beziehung) fremd, geheimnisvoll, unergründlich-unzugänglich oder sprunghaft unvorhersehbar, beginnt plötzlich Vorwärtsschwünge an einer niedrigen Reckstange zu üben (ihr schwarzes Haar fällt ihr vornüber). Später bin ich allein in der Wohnung, nackt im Bett, da kommt jemand herein, und ich habe panische Angst, es könne ihr Freund M. sein. Ich bedecke meine Köpermitte hastig mit der Decke und hersche den anderen an, er solle bitte gehen. Er ist einer von E.s Studenten, der etwas mit ihr besprechen will und durchaus keine Anstalten macht, zu gehen. Dann kommt noch jemand, wieder die Angst vor M., aber wieder ein anderer.

Es geht immer wieder darum, ob wir oder nicht, aber was genau? Miteinander schlafen? Uns wieder zusammentun?, Eine Daueraffäre habe? Alles zusammen. Ich umarme sie. Ich beruhige sie. Ich bin fern von ihr, sehe sie auf einem Poster, sie hat ganz kurze blonde Haare, ein rosafarbenes weites T-Shirt, eine Halskette. Ich bin fern von ihr, hoffnungsvoll, quälend-hoffnungsvoll fern.

Schließlich will sie mich spontan in den Mund nehmen, aber bevor sie sich noch richtig über mich gebeugt hat, glänzt schon ein Samentropfen auf ihrem Kinn, und dann werden es immer mehr, obwohl ich noch gar nicht gekommen bin, Schlieren, die ihr auch störend die Augen verkleben, und die ich, immer besorgt, es könne ihr gleich zuviel des guten sein, mit einem Taschentuch wegzuwischen versuche, wobei ich sie nur verteile, so daß sie fortfährt, ihre Augen zu reiben.

Beim Erwachen der Regen. Die traurigen Tücher. Das träge, aus den Tiefen der Zeit aufsteigende und in dieselben Tiefen zurückfallende Prasseln, Pladdern, Tropfen. Das Tropfen.

Donnerstag, 3. April 2008

Föhren

Geträumt von einer Föhre mit vor Dunkelheit oder schwindendem Licht bläulich schimmernden Schirm. Die einzelnen Nadel- und Astschichten voneinander zapfenähnlich abgesetzt, darunter, zwischen den Spitzen der Zweige und dem Stamm, eine merkwürdige Art glänzender Leere. Ein Weg liegt dort dunkel, fällt in die Tiefe, während weiter fort, fern, sich eine schlichte Helligkeit hebt; und zuletzt, vielleicht schon beim Erwachen, von diesen Bäumen mehrere, viele, Schirm über Schirm, ein Wald, und ein Wald, der schwebt, wie Bojen auf einer leisen, unsichtbaren Dünung, Zapfen und Säulen, die auf- und niedersteigen, dunkelschimmernde Ballons, Raumschiffe oder Iptamena Dendra die fliegenden Bäume.

Montag, 26. November 2007

Handke lesen

In all dem banalen Geschrei, dem lieblos dahergequatschten Wortbrei, dem ausgetretenen, albernen Geschwätz, das einem tagtäglich aus Titelseiten, Überschriften, Zeitungsspendern, Werbeprospekten hervorquillt, aus dem Radio, dem Fernseher entgegenbrüllt, aus der Supermarktbeschallungsanlage tönt, quietscht, albert, in all diesem zum Davonlaufen vergnüglichen, lustigen, vor Ödnis überschnappenden Gewäsch, Geleier, Getröte, Gequieke ist ein Buch wie Handkes Mein Jahr in der Niemandsbucht eine herzwärmende Linderung. Mit vor Überraschung ungläubigem Staunen, ja, Ehrfurcht folgt man dieser so feinen leisen, vielverzweigten, tönenden, summenden, schauenden, schöpfenden leuchtenden, irisierenden Prosa, oder müßte sie so lesen, wie sie dort farbig und erdwarm aufschimmert, mit einem tiefen Atemholen. Ein Raum der Stille tut sich auf, in dem man statt Gewäsch plötzlich wieder Wörter hören darf und jedem Wort und seinen Beziehungen zu den anderen Wörtern die ihm eigene Schwere zufließt; Ausstrahlung, Verästelungen, Wirbel und Bögen werden zwischen diesen Kristallisationskeimen von Bedeutung ertast- und ablauschbar, ein Raum entsteht, der die Wörter erst zu Wörtern macht, sie von allem Gerummse und Mißton befreit, sie abschält und bis zu den Wurzeln herunter freilegt, und so verwandeln sie sich, Urwörter, Gesteinswörter, Erdwörter entstehen so, die sich in einem ruhigen Strom, einer Anrufung gleich, einer Liturgie fast, zu einem ebenso mächtigen wie ruhigen Strom nicht aneinanderreihen, sondern: aneinanderfügen. So etwas zu lesen ist wie eine kühle Salbe auf wundgescheuerter Haut. Eine Oase in der Sprachwüste. Ein Klang. Eine Offenbarung. Ein Trost.

Sonntag, 23. September 2007

Ende des Sommers (Aequinox, ein Epigramm)

Dann aber schlugen die Glocken, so lang, daß es tönte wie Stunden,

während ein Morgen entschwand unter dem schwingenden Blau.

Noch einmal schenkt uns die Zeit einen säumigen Aufschub, als wäre

alles ein froher Beginn, was ihren Händen entfällt.

Dürr steht der Sommer am Feld, in azurene Winde gekleidet.

Morgen gibt er das Jahr, müde vom Licht, uns zurück.

Mittwoch, 5. September 2007

Sommerepigramme (15)


Küß mich bei den Schatten, den staunenden Hölzern und Hagen.

Artemisia selbst zuckert die Keuschheit ins Heu.






VOCES INTIMAE

... for we have some flax-golden tales to spin. come in! come in!

Kommt herein, hier sind auch Götter ...

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