egregie dicta

Montag, 18. September 2006

Bei der Vergillektüre

una salus victis nullam sperare salutem.

Für die Besiegten gibts noch ein Heil: kein Heil mehr zu hoffen



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Freitag, 23. Juni 2006

Greinstraße

"als anmut auf unseren jungen gesichtern ..."

ich bewundere an dir dieses bewußtsein der eigenen jugend, und stelle ohne bedauern fest: so jung bin ich nie gewesen, daß ich es gemerkt hätte.


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Freitag, 10. Februar 2006

ars poetica

Nec sic incipies, ut scriptor cyclicus olim:
"Fortunam Priami cantabo et nobile bellum".
Quid dignum tanto feret hic promissor hiatu?
Parturient montes, nascetur ridiculus mus.

noch sollst anheben du wie einst der epische dichter:
„krieg der Edlen will ich besingen und Priamus’ schicksal“ –
Was wird uns würdiges zeigen, wer seinen mund derart voll nimmt?
berge liegen in wehen, heraus kommt ein lächerlich mäuslein.

Montag, 6. Februar 2006

Naso

Iamque opus exegi, quod nec Iovis ira nec ignis
nec poterit ferrum nec edax abolere vetustas.
cum volet, illa dies, quae nil nisi corporis huius
ius habet, incerti spatium mihi finiat aevi:
parte tamen meliore mei super alta perennis
astra ferar, nomenque erit indelebile nostrum,
quaque patet domitis Romana potentia terris,
ore legar populi, perque omnia saecula fama,
siquid habent veri vatum praesagia, vivam.


schon hab das werk ich vollendet, das Iuppiters zorn nicht noch feuer
noch kann das eisen zerhaun, noch zerstören das nagende alter.
Mag jener tag, wenn er will, der nur des sterblichen körpers
rechte besitzt, mir beenden die spanne des unsichern lebens:
ewig doch werde ich kraft meines besseren selbst über höchste
sterne gehoben sein, und mein name wird niemals verlöschen,
und, wo die römische macht auch die länder immer bezähmt hat,
werd ich gelesen vom volk, und im ruhme durch alle äonen
werde ich, ist etwas wahr an der seher ahnungen, leben.

Donnerstag, 27. Oktober 2005

Incipe!

dimidium facti qui coepit habet; sapere aude,
incipe! Viuendi qui recte prorogat horam,
rusticus expectat dum defluat amnis; at ille
labitur et labetur in omne uolubilis aeuum.


halb hat die arbeit getan schon, wer anfängt nur. klug zu sein, wage,
mach dich ans werk! denn wer aufschiebt die stunde des richtigen lebens
wartet dem bauer gleich, daß nur versiege der strom, aber jener
fließet und wirbelnd wird fließen dahin bis ans ende der zeiten.

(Q. Horatius Flaccus, Epist. I, 2)

Dienstag, 5. Juli 2005

Lateinische Fundstücke: Marmorstein & Eisen ...

Das Problem der späten Dichter: Es ist schon zuviel gedichtet worden. Glücklich, wer, am Beginn stehend, den ganzen ungehobenen Schatz der Sprache, das Riesenkaleidoskop des noch nicht Ausgesprochenen, Schlummernden, Verfügbaren überblickend, seine Geliebte noch mit einer Rose vergleichen durfte. Was müssen das für Zeiten der Frische und des Beginns gewesen sein, wo ein solcher Vergleich unerhört und aufregend und betörend war. Was bleibt uns denn noch? Bemühen müssen wir uns, zusammenkratzen, weitherholen, erkünsteln. Zu retten ist nichts. Wir sitzen auf einem schwindenden, allzu lang schon der Plünderung anheimgegebenen Hort.

Da ist zum Beispiel dieses, das vielleicht damals, vor 2000 Jahren, auch schon nicht mehr taufrisch war …

alta prius retro labentur flumina ponto,
annus et inversas duxerit ante vices,
quam tua sub nostro mutetur pectore cura:


„eher die hohen Flüsse zurück in die See werden strömen,
wechselnder Jahreszeit eher sich kehren der Lauf,
als daß in meiner Brust sich die Lieb für dich würde wandeln.“

Tja, mein lieber Drafi, so alt ist dieser lyrische Gedanke schon. Mindestens.

Montag, 13. Juni 2005

Gegeninterpretation

Wenn zwei so verliebt sind, daß sie im Angesicht des Anderen zu zittern beginnen; wenn zwei so verliebt sind, daß sie so sehr zittern, daß ein Becher Weins, von ihr zu ihm gereicht, ihnen beiden entgleitet; wenn daraufhin der Wein aus dem Becher schwappt und sich dunkel auf den Boden ergießt: Warum ist das ein Zeichen dafür, daß ihre Begegnung scheitert?

Die Beiden

Sie trug den Becher in der Hand,
ihr Kinn und Mund glich seinem Rand,
so leicht und sicher war ihr Gang,
kein Tropfen aus dem Becher sprang.

So leicht und fest war seine Hand:
Er ritt auf einem jungen Pferde,
und mit nachlässiger Gebärde,
erzwang er dass es zitternd stand.

Jedoch, wenn er aus ihrer Hand,
den leichten Becher nehmen sollte,
so war es beiden allzu schwer.

Denn beide bebten sie so sehr,
das keine Hand die andre fand,
und dunkler Wein am Boden rollte.

(Hugo von Hofmannsthal)



Die beiden werden dargestellt als im Vollbesitz von Anmut, Kraft und Sicherheit. Ihr Gang ist „leicht und sicher“, und sie hat keine Schwierigkeiten, einen vollen Becher Weins ohne Überschwappen zu balancieren. Seine Hand ist „leicht und fest“, so fest tatsächlich, daß er ein junges Pferd ganz ohne Kraftanstrengung („mit nachlässiger Gebärde“) bezähmt und unter seinen Willen zwingt. Doch das ist vor der Begegnung. Unter den Augen des Geliebten dann werden die Hände so schwach, daß der Becher „beiden allzu schwer“ wird. Beiden wird der Becher zu schwer, beide beben: Ihr Gefühl ist wechselseitig. Alle Kraft und Sicherheit sind dahin, wenn man vor dem Geliebten steht. Und so stehen die Beiden einander gegenüber und werden im Wortsinne schwach, der Becher kippt um, „dunkler Wein“ rollt am Boden.

Ohne nun das Überlaufen, Auskippen, Überschütten von Flüssigkeiten in überkommener Weise als ein Bild sich entladender Lust, die dunkle Farbe des Weins dagegen als Bild weiblicher Reife zu deuten, ist die Begegnung dennoch eine Situation, in der sich etwas zuspitzt und in eine Art Miniaturkatastrophe gipfelt. Es ist ein Augenblick des Atemanhaltens. Wie geht es weiter? Werden die Beiden herzlich über ihre Ungeschicklichkeit lachen? Wird es ihnen peinlich sein? Werden sie im Beben des anderen das eigene Beben wiedererkennen? Auf diesem Höhepunkt der Spannung entläßt uns der Beobachter.

Mißgeschicke dieser Art sind natürlich, ebenso wie krankheitsähnliche Symptome (Gliederzittern, Herzrasen, Schweißausbruch, Stottern), ein gängiger Topos in der komischen Darstellung der Verliebtheit. In seinem Gedicht schafft es Hoffmannsthal, die Komik auf wundervolle Weise zu überhöhen und mit dem aus der Komik bekannten Topos ein Bild heiteren Ernstes zu zeichnen.

Wer in dieses Gedicht das Scheitern einer Begegnung hineinliest, war vermutlich selbst noch nie verliebt. Ein solches Mißgeschick ist weit weniger ein Zeichen des Scheiterns, als ein offenkundiges Zeichen dafür, daß die zwei bis über die Ohren verliebt sind. Gibt das nicht Anlaß zur Hoffnung? Wäre es nicht vielmehr umgekehrt? Daß die Begegnung gescheitert wäre, wenn beide die Ruhe selbst sind bei ihrer Begegnung? Daß das nachgerade gar keine erzählenswerte Begegnung wäre? Eine Begegnung zwischen Mann und Frau, bei der keiner der beiden bebt, ist wohl eine alltägliche, eine belanglose Begegnung. Jedenfalls würde man nicht ein Gedicht darüber schreiben. Hugo von Hoffmansthal hat in Die Beiden durchaus kein Gedicht über das Scheitern geschrieben, sondern über das Beben von zweien, die allen Grund zum Beben haben: vor süßer Angst.

Mittwoch, 25. Mai 2005

Lateinische Fundstücke

Illa nvlla qveat melivs consvmere noctem

...

Lateinische Fundstücke

Epistula non erubescit.

Man möchte hinzufügen: Ein Weblogeintrag auch nicht ...

Freitag, 20. Mai 2005

...

At tu dum primi floret tibi temporis aetas
utere: Non tardo labitur illa pede.


Aber solange dir blüht das Alter der ganz jungen Jahre
nutze es, denn es entschlüpft dir nicht mit
langsamem Fuß.

Alsos Threpsoneires

... for we have some flax-golden tales to spin. come in! come in!

Epistulae

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Kommt herein, hier sind auch Götter ...

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