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Talakallea Thymon - am: 28. Jun, 10:46 - in: O tempora, o mores!
bitte entschuldigen Sie, wenn ich mich in einer ernsten Angelegenheit an Sie wende. Mir ist bewußt, daß mein Anliegen kaum auf Verständnis stoßen wird, aber erstens ist es nicht länger erträglich zu schweigen, und zweitens dürfte es Ihnen leichtfallen, meinem weiter unten genannten Wunsche nachzukommen, auch ohne Verständnis zu haben.
Seit einigen Wochen höre ich – verzeihen Sie meine Offenheit – das Geräusch, das die Belüftungsanlage ihrer Toilette hervorruft; zumindest ist das die plausibelste Vermutung, die mir zu diesem sehr unangenehmen heulenden Summen einfällt. Besonders lästig ist es, wenn es – wie heute – geschlagene zwei Stunden anhält. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Schreibens ist es immer noch zu hören, und Sie dürfen sicher sein, daß es ein sehr unangenehmer Zustand ist, zwei Stunden und länger auf das Verstummen eines verhaßten Geräusches zu warten.
Sie könnten mich für übertrieben geräuschempfindlich halten, doch erstens ändert die Zuschreibung irgendeiner Empfindlichkeit an meine Person nichts an meiner mißlichen Lage und dem damit verbundenen Ärger und Verdruß; zweitens ist es egal, wie empfindlich oder unempfindlich ich bin, wenn es Ihnen gegeben ist, ohne großen Aufwand meine Erlösung herbeizuführen. Drittens aber trifft der Vorwurf nicht. Ich würde mich nie über das morgendliche Gekrächze, Geräusper und, nun ja, Gespucke Ihres Herrn Gatten beschweren, und ich sage auch nichts über das vernehmliche Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaakoooooooooooooooooob, mit dem Ihr im Stimmbruch befindlicher Erstgeborener seinen Bruder morgens um sieben zum Aufstehen zu bewegen bemüht ist, und obendrein schweige ich über die donnernden Schimpfkanonaden, mit denen Ihr Ehemann seine Söhne zusammenstaucht. Noch viel weniger würde ich jemals erwähnen, wie irritierend es ist, wenn Sie oder Ihr Mann vor meinem Fenster geräuschvolle Gespräche mit den Nachbarn führen, nein, sage ich, dazu schweige ich und will ich weiter schweigen. Von einer besonderen Empfindlichkeit kann also keine Rede sein, selbst das allabendliche Einlaufen- und Ablaufenlassen des Badewannenwassers in der Wohnung im ersten Stock stört mich nicht weiter.
Allein, es gibt Geräusche, die nicht durch ihre Lautstärke, sondern bloß durch ihre Eigenart den, der ihnen ausgesetzt ist, in den Wahnsinn treiben können, und ich ersuche Sie dringend, dieses Lüftergeräusch, das bedauerlicherweise zu jenen unerträglichen Schallarten gehört, zu eliminieren. Mir will auch nicht in den Kopf, warum es erst seit wenigen Wochen zu hören ist. Irgend etwas müssen Sie daran geändert haben. Vielleicht war die Anlage defekt, und Sie haben ein halbes Jahr gebraucht, sie zu reparieren? Angesichts der Geschwindigkeit, mit der Sie Ihr Gerümpel aus dem Flur entsorgen, halte ich das für durchaus plausibel. Oder Sie haben vorher nur Ihr zweites Bad benutzt? Oder einen Nachttopf?
Was immer es ist, ich bitte Sie inständig, zum früheren Zustand, was immer er gewesen sein mag, zurückzukehren.
Bedenken Sie bitte, daß ich dem Geräusch nicht entgehen kann, da mein kombiniertes Eß-, Schlaf- und Wohnzimmer eine Wand mit Ihrer Toilette teilt.
Hochachtungsvoll,
T. Th.
B., den 23.6.2010
von:
Talakallea Thymon - am: 23. Jun, 21:30 - in: Flaschenpost
Atemholen der Zeit am Halbpunkt des Schwungs, nach dem Anstieg
gegen die Wucht des Lichts, träger, je
steiler das Jahr.
von:
Talakallea Thymon - am: 22. Jun, 11:45 - in: Fasti
Seit Tagen schon dringen merkwürdige Geräusche über die Straße und durchs gekippte Fenster an mein Ohr. Zum Teufel, was ist das jetzt? Reichten nicht die albernen Wimpel, die dreifarbigen Girlanden, die Kriegsbemalung auf den Wangen? Reicht nicht das Geheul, das plötzlich allüberall die schon als angenehmst begrüßte Totenstille in den Straße jäh durchbricht? Muß es jetzt auch noch das sein, und neben den Augen auch noch mein empfindlichsten Sinnesorgan, das Ohr, ansprechen? Noch bevor der allvierjährliche Zirkus richtig angefangen hat, habe ich schon die Nase voll von dem Gefurze.
Man könnte ja, und dem Flötenspieler ist es sozusagen zweite Natur, man könnte ja einen Tip geben, ordentlich Stütze und Lippenspannung, dann kommt auch ein Ton heraus. Aber will man das? Was diese merkwürdigen Hörner wohl produzieren könnten, wenn ein geschultes Lippenpaar hineinbliese, man möchte es vielleicht gar nicht so genau wissen, und hören, denke ich mir, möchte man es erst recht nicht. Wer weiß, was für ein höllischer Lärm losbräche, wenn jemand vom Schlage Hermann Baumanns … nicht auszudenken! Also doch besser die Furzgeräusche. Aber auch die sind schon schwer erträglich.
„Ruhe!“ möchte man hinausbrüllen, „wir sind hier nicht in der Serengeti!“
Ich habe dazu zwei Assoziationen. Die erste: Ich muß geradezu zwanghaft an ein Bild aus einer Erzählung von Edgar Allan Poe denken. Im Cask of Amontillado wird, wie jeder weiß, aus nicht enthüllten Rachegründen ein unglücklicher Sherryliebhaber in einem salpeterverkrusteten Gewölbe lebendig eingemauert. Das Bild dazu: Die klingelnden Glöckchen an der Narrenkappe des ahnungslosen Opfers.
Die zweite Assoziation ist ein Satz aus einer Parabel von Kafka, die sich nicht nur hier wie von selbst einstellt, sondern, ach!, in unzähligen weiteren Situationen des Alltags auch. Ich flüstere ihn mir praktisch täglich vor. Er lautet: „Was ist das für Volk! Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?“
von:
Talakallea Thymon - am: 13. Jun, 19:58 - in: O tempora, o mores!
Kürzlich beim Stöbern auf der Internetseite der
Gesellschaft zur Stärkung der Verben fiel mir wieder ein, wie mein Banknachbar und ich in der Oberstufe im Mathematikunterricht ein neues französisches Verb erfanden. Ausgangspunkt war, daß wir uns angesichts der phantastischen Ereignisse an der Tafel des öfteren ratlos ansahen; irgendwann sagte einer von uns bei einer solchen Gelegenheit
Moi, je raffe rien., womit auf Pseudofranzösisch gemeint war, daß die analytische Geometrie in vektorieller Darstellung momentan vor allem eines darstellte, nämlich eine Überforderung unserer intellektuellen Kapazitäten. Als Sprachenerfinder, Grammatikliebhaber und Wörternarr nahm ich das Spiel natürlich begeistert auf. (Vielleicht, denke ich in diesem Moment, wäre es an der Zeit, mal etwas über diese Dinge, über das Spracherfinden nämlich, zu schreiben. Schließlich verdankte ich dieser Liebhaberei mein späteres Studienfach, meinen Studienort und damit alles andere, was an solchen Entscheidungen als Folge noch dranhängt. Ich weiß nicht, warum ich mich hier noch nie damit beschäftigt habe; vielleicht, weil die Folgen wichtiger sind als die Ursache, zumal ich heute an meinen Erfindungen nicht mehr arbeite, seit Jahren schon nicht mehr. Aber zurück zum Thema.) Aus dem Ausdruck
Je ne raffe rien ließ sich natürlich sofort ein vollständiges Paradigma zum Stamm
raff- herleiten, das wir uns zunächst als das eines regelmäßigen Verbs auf
-er, nämlich
raffer dachten
je raffe
tu raffes
il/elle raffe
nous raffons
vous raffez
ils/elles raffent
Mit dem Passé Composé:
j’ai raffé
Doch dann entdeckten wir (lange, bevor von einer Gesellschaft zur Stärkung der Verben die Rede sein sollte), die Freude an der Verbstärkung, was im vorliegenden Fall bedeutete, daß wir den Stamm
raff- nun in eine andere Konjugationsklasse verschoben. Aus
raffer wurde so ein
raffir, das wie
finir gebeugt wurde:
je raffis
tu raffis
il/elle raffit
nous raffissons
vous raffissez
ils/elles raffisse
PC:
j’ai raffi
Damit war dann ein hübscher Subjonctif möglich, der sich fast in allen Formen vom Indicatif unterschied:
que je raffisse
que tu raffisses
qu’il/elle raffisse
que nous raffissions
que vous raffissiez
qu’ils/elles raffissent
So war das also damals. Natürlich hätte man noch einen Schritt weiter gehen und sich für den Stamm
raff- eine Konjugation ausdenken können, die der von
sortir ähnelt:
je rafs [ra]
tu rafs [ra]
il/elle raf [raf]
nous raffons
vous raffez
ils/elles raffent
PC:
j’ai raffi
Ein stummes auslautendes
-fs ist zwar orthographisch-phonetisch ein bißchen abenteuerlich, aber nicht ohne Vorbild, cf.
oefs „Eier“. Jedenfalls wäre dieses Verb a) schön unregelmäßig und b) hätte man dann
je rafs (Indicatif) von
que je raffe (Subjonctif) abgegrenzt. Voilà.
An diese Dinge mußte ich also denken, als ich neulich auf der Seite der GSV Stärkungen im Englischen (apply, applought, applought) und Lateinischen (laudo, lausi, laustum) entdeckte. So lange es auch her ist, das Verb raffer/raffir hat sich mir unvergeßlich eingeprägt. Konfrontiert mit der analytischen Geometrie indessen müßte ich auch heute noch die Schultern heben und zugeben: Je regrette que je ne raffe rien!
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Talakallea Thymon - am: 28. Apr, 11:58 - in: Colourless green ideas
Vor einigen Jahren konnte man in der taz einen Artikel der Kategorie "Sprachkritikastereien" lesen. Nun sind solche Artikel ohnehin zum Zähneziehen; dieser aber hat es besonders in sich, weil der Ärger des Autors sich aus einer etwas anderen Quelle speist als bei, sagen wir, Raddatz und verwandten Geistern, die die von ihnen festgelegte Unterscheidung zwischen "gutem" und "richtigem" Sprachgebrauch und "falschem" oder "schlechtem" als soziales Abgrenzungs- und Identifikationskriterium mißbrauchen. Anders unser Autor, der, wies scheint, seiner Angst, nicht dazuzugehören und überrollt zu werden, Ausdruck gibt. So beklagt der Verfasser unter anderem, daß der Ausdruck "Selters" für "Mineralwasser" nicht mehr gebraucht wird, daß man seit einiger Zeit "KITA" sagt statt "Kindergarten", daß der "Sonnabend" dem "Samstag" weichen mußte und manches mehr.
Aber Sprache verändert sich nunmal. Fortwährend. Alte Ausdrücke verschwinden, neue Ausdrücke tauchen auf, werden entlehnt, neu gebildet, erfunden. Endungen schleifen sich ab, an ihre Stelle treten periphrastische Formen, die wiederum verkürzen sich zu neuen Endungen, und so weiter. Laute verändern sich in bestimmten Kontexten. Redewendungen wandeln sich. Höfliches wird unhöflich, Unhöfliches höflich, Distanziertes vertraut, Freundschaftliches formell. Dieser Sprachwandel ist aus wissenschaftlicher Sicht völlig neutral und wertfrei. Wenn Sprache sich verändert, hat das nichts mit Verfall, Niedergang oder Zersetzung zu tun, und ebensowenig ist irgendeine Sprache „besser“, „reicher“, „vollkommener“ als eine andere. Jede Sprache befriedigt exakt die kommunikativen Bedürfnisse ihrer Sprecher. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und diese Bedürfnisse sind nicht nur von Sprecher zu Sprecher, sondern auch bei demselben Sprecher in verschiedenen Situationen verschieden. Viele landläufige Mißverständnisse die Sprache betreffend verdanken sich einer Auffassung, die Sprache als ein von ihren Sprechern losgelöstes, ein Eigenleben führendes Etwas betrachtet. Eine Sprache konstituiert sich aber ständig aus den Äußerungen ihrer Sprecher und den darin sich manifestierenden Regelmäßigkeiten neu. Deswegen können auch Anglizismen nicht „in die deutsche Sprache eindringen“, weil sie keine Wesen sind, die irgendwie zu handeln, keine Körper, die einen anderen Körper zu befallen oder in ihn einzudringen in der Lage wären. Sprachen handeln nicht, Menschen handeln, unter anderem, indem sie sprechen. Die Verwendung von Anglizismen ist heute weiter verbreitet als vor 20 Jahren, aber es sind Sprecher, die sie verwenden und auch verwenden wollen. Sich gegen den Sprachwandel wehren zu wollen mit dem Ziel, diesen Vorgang aufzuhalten, ist töricht. Warum Sprache sich wandelt, ist nicht so leicht einzusehen. Aber die Beobachtung mag aufschlußreich sein, daß Ausdrücke „ausbleichen“. Wenn wir begeistert sind oder angewidert, uns freuen oder todtraurig sind, reicht es eben nicht mehr, „traurig“ oder „froh“ zu sagen. Wir fühlen mehr als diese abgeschliffenen Wörter hergeben wollen. Also sind wir „happy“ und „depri“ und hoffen, damit sprachlich der Stärke unseres Gefühls nähergekommen zu sein. Durch den häufigen Gebrauch verblaßt aber auch die Wirkung dieser frischen Wörter, und abermals müssen neue her. Und so weiter: In diesem Sinne ist der Sprachwandel nicht unähnlich dem Wandel in der Mode. Es gibt kein „richtig“ und „falsch“ in der Sprache, ebensowenig wie in der Mode. Das, was die Menschen sagen, ist „richtig“, und nicht, was irgendeine Akademie, oder der Rundfunk, oder ein Regime als „richtig“ deklariert. Heißt es „wegen dir“ oder „deinetwegen“? Wenn man feststellt, daß „wegen dir“ gesagt wird, dann muß es wohl richtig sein, weil es offenbar zur praktizierten Sprachwirklichkeit gehört. Eine Form wie „dirwegen“ ist dagegen „falsch“ (besser: ungrammatisch), einfach deshalb, weil es niemand sagt.
Das ist das eine. Das zweite betrifft die ganz persönliche Wahl, Vorliebe oder auch die Ablehnung eines bestimmten Ausdrucks. Wenn jemand „deinetwegen“ statt „wegen dir“ verwendet, dann ist das eine Entscheidung, zu der eine ganze Reihe von Gründen führen können: Der Sprecher kann sich mit einer Form, die dabei ist, sich endgültig aus dem Sprachgebrauch zu verabschieden, zu einer bestimmten Generation von Sprechern bekennen; er kann darauf hoffen, sich mit „deinetwegen“ gegen eine Mehrheit abzusetzen und sich damit überlegen zu fühlen; er kann, umgekehrt, davon gehört haben, daß es „besser“ sei, die Genitivkonstruktion zu wählen, und hoffen, nacheifernd zu einer „besseren“ Welt zu gehören; er kann schließlich ästhetische Gründe haben, die rein persönlicher Natur sind; oder er hat es immer schon so gesagt, weil er die Sprache in einem Umfeld erworben hat, in dem nie etwas anderes zu hören war. Alle diese Gründe aber sind keine objektiven Gründe, die erklären, wieso „deinetwegen“ vorzuziehen sei. Mit anderen Worten, man kann nicht sagen, „deinetwegen“ sei EIGENTLICH richtig, ebensowenig wie man sagen kann, Schweinebraten sei EIGENTLICH mit Knödeln, nur weil es einem zufällig so schmeckt. Wie aber in der Mode, so gibt es auch in der Sprache subtile Regeln, die darüber entscheiden, wer in welcher Situation „dazugehört“ und wer nicht, Konventionen, die festlegen, was „gehoben“, „formell“, „freundschaftlich“ und „verpönt“ ist. Aber auch in der Mode gibt es kein objektivierbar Richtiges. Und wie in der Mode muß man nicht jeden Mist mitmachen. Man kann aber, wenn es so gefällt. Natürlich haben die Konventionen eine soziale Kraft, und ihre Einhaltung oder Übertretung zieht bestimmte soziale Konsequenzen nach sich; meist aber richten sie nichts weiter an, als daß sie Geschmack, Alter, Geschlecht und Herkunft des Sprechers bestimmen lassen. Wer sich darüber echauffiert, weil jemand Samstag statt Sonnabend sagt oder umgekehrt, oder gar das eine als „hochsprachlich“, das andere als „dialektal“ betitelt, ist einfach nur albern.
Und ein letztes zu den Anglizismen: Ich glaube, die Mehrzahl derer, die sich über Anglizismen aufregen, verwechselt Ärger über die fremden Ausdrücke (die man ja nicht zu benutzen braucht) mit Ärger über die –- vermeintliche oder tatsächliche -– kulturelle Hegemonie des englischen Sprachraums, und besonders der vereinigten Staaten von Amerika. Das ist aber etwas, das mit Sprache nur insofern etwas zu tun hat, als sich in ihr kulturelle Entwicklungen widerspiegeln. Dasselbe ist beim immer noch heftig ausgetragenen innerdeutschen Ost-West-Kulturstreit zu beobachten. Auch hier gilt: Wenn die Menschen Ausdrücke, die nur im Westen verwendet wurden, plötzlich toll finden, weil alles, was aus dem Westen kommt, toll sei, dann kann man mit Sprachpflege überhaupt nichts gegen das Faktum ausrichten, daß die Menschen so reden, WEIL sie den Westen toll finden, und nicht umgekehrt. Auch unser taz-Autor verwechselt da etwas. Sprache ist nur das Symptom. Was ihn ärgert, ist etwas ganz anderes.
Übrigens: „Kindergarten“ sagt man natürlich immer noch, genau dann nämlich, wenn man auch „Kindergarten“ meint. „KITA“ ist eine Kindertagesstätte (Ganztagsbetreuung mit Essen und so), und das ist nun mal was anderes. Daß immer mehr Familien so wenig Zeit für ihre Kinder aufzubringen bereit sind, daß die Kindertagesstätte und nicht der Kindergarten zum Normalfall wird, ist ebenfalls durch Sprachgebrauch nicht zu verhindern. Wie überhaupt durch Sprachpflege oder Korrektur der Sprachgewohnheiten die Mißstände nicht aus der Welt geschafft werden können, die der Sprachgebrauch lediglich abbildet. Es werden nicht mehr Frauen Professor, indem man überall und ständig Professor/in sagt und schreibt, und die Probleme von Ausländern lassen sich nicht lösen, indem man sie "Mitbürger mit Migrationshintergrund" nennt. Aber das ist ein anderes Thema.
von:
talakallea thymon (importiert durch
Talakallea Thymon) - am: 27. Apr, 13:20 - in: Colourless green ideas
Mittags war sanfterer Stein, und die Mauern aus schwalbenden Lüften
zogen an Blicken. Im Glas stürzte der Himmel zu Tal.
Dies wär Geschichte, vom Nebentisch hingen die lächelnden Augen
dir noch am Heimwege nach. Du aber wüßtest nicht, wie.
Kuchenkrümel und Gras. In den Socken steckt müde der Tag fest,
heißt nicht mehr Sonntag, im Flur riecht es nach Tinte und Tier.
Später kam doch noch der Abend, unverhofft, kehrte in milden
Flügen zum Garten zurück. Kraniche brachten die Nacht.
Blaues Streunen im Blick, ans Gestirn ein Traum fällt, der Abend
spaltet die Stunde in zwei. Wie zu dir kommen? Kein Weg …
Trauer wurde zu Stein. Ein Jammer verkieselte. Müde
wirbt nun das Moos um den Leib. Flügel sind Jahre aus Gips.
von:
Talakallea Thymon - am: 21. Apr, 11:10 - in: An habent et somnia pondus
Was mich tagtäglich nervt, ist auch in Zahlen darstellbar: Der Rhein-Sieg-Kreis steht in einer nach Bevölkerungsdichte geordneten Liste der deutschen Landkreise mit 519 Einwohnern je Quadratkilometer an neunzehnter Stelle (von 301 Kreisen), und gehört damit zu den oberen 6,3 %. Die einwohnerreichste Region ist der Kreis Mettmann mit 1226 Einwohner/Quadratkilometer. 499193 Menschen teilen sich hier eine Fläche von 407 Quadratkilometern, das sind gerade mal 815 Quadratmeter für jeden Einwohner. Am unteren Ende der Skala befinden sich die Kreise Mecklenburg-Strelitz und Müritz in Mecklenburg-Vorpommern. In beiden wohnen jeweils 38 Menschen je Quadratkilometer (das macht im Schnitt 2,6 Hektar oder 26000 Quadratmeter für jeden Einwohner). Der Kreis Vulkaneifel, der in meiner Lieblingslandschaft liegt und, wenn Arbeitsnöte nicht dagegen sprächen, seit langem meine Wohnstatt wäre, hat 68 Einwohner je Quadratkilometer.
In der Vulkaneifel müssen sich 68 Menschen einen qkm teilen
In Städten sieht es natürlich ganz anders aus. Die Liste der deutschen Gemeinden wird von München angeführt: Hier drängeln sich 1,3 Mio Menschen auf knappen 310,40 Quadratkilometern; auf jeden Quadratkilometer kommen somit 4275 Menschen. Wenn man sich vor Augen hält, daß ein qkm der Fläche eines Quadrates mit 1000 m Seitenlänge entspricht, und daß es selbst in einer Großstadt wie München auch relativ leere Flächen gibt, kann man sich das Gewühl vorstellen. Leere Flächen beeinträchtigen natürlich die Aussagekraft solcher Zahlen: So liegt die nach Einwohnerzahl zweitgrößte Stadt Deutschlands, Hamburg, nach Bevölkerungsdichte weit abgeschlagen irgendwo in der Mitte: Hafen, Elbe und ländliche Gebiete sind praktisch unbewohnte Fläche, die die Zahlen nach unten drückt.
Ein Gewimmel wie München ist übrigens gar nichts im internationalen Vergleich. Mehr als dreieinhalb mal so hoch ist die Bevölkerungsdichte in Monaco, dem dichtesbesiedelten Land der Erde: 16620 Menschen müssen sich einen Quadratkilometer teilen (das sind 60 qm pro Person). Schön ruhig ist es dagegen in der Mongolei: Jeder Einwohner hat dort im Durchschnitt einen halben Quadratkilometer für sich.
von:
Talakallea Thymon - am: 20. Apr, 11:33 - in: orte. wege
Sehr geehrte Damen und Herren!
Seit ein paar Tagen werben Sie in der Sendung "Mosaik" (und, wie ich fürchte, auch in anderen Sendungen auf WDR3) mit einer Reihe von Jubiläumsveranstaltungen anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Kooperation "WDR3-Kulturpartner". Ich sehe ein, daß Sie diese Veranstaltung auf Ihrem Kanal bekannt machen müssen oder wollen; daß Sie aber dabei so weit gehen, den dafür produzierten Werbespot -- nachdem er seit Montag früh bereits täglich zu hören gewesen ist -- anstelle einer ansonsten zu hörenden Rezension oder Theaterkritik ausstrahlen (so heute morgen als Ersatz für den 7:15-Beitrag), erregt mein Mißfallen, um es vorsichtig auszudrücken.
Bedenken Sie bitte auch, daß es Hörer gibt, die das "Mosaik" so sehr schätzen, daß sie es jeden Morgen hören, und daß diese Hörer es gar nicht schätzen, jeden Morgen dieselbe fünfminütige Werbung in eigener Sache vorgesetzt zu bekommen. Man hat es nämlich schon beim zweiten Mal satt. Es ist, entschuldigen Sie den Ausdruck, zum Zähneziehen, und einer ansonsten so interessanten und informativen Kultursendung wie dem "Mosaik" völlig unangemessen.
Ich hoffe sehr, daß Sie davon absehen, den Spot solange auszustrahlen, bis die letzten Karten der letzten Tour verkauft sein werden.
Hochachtungsvoll
T. Th.
von:
Talakallea Thymon - am: 15. Apr, 10:52 - in: O tempora, o mores!
Vor einigen Tagen wieder ein klingender Traum. Es spielte in einem Kammermusikensemble, das man von der Straße her durch ein offenes Fenster erspähte, eine Fagottistin ein langsames Solo. Die Melodie ist einfach, in Dur, schmucklos, beginnt mit einer lang ausgehaltenen Note, welche die Solistin aus dem Mezzopiano wie aus einem gedämpften Hintergrund langsam crescendierend in den Vordergrund des musikalischen Geschehens einschwingen läßt. Ihr Ton ist sehr weich und näselnd, das allmählich vortretende Vibrato unaufdringlich und schmeichelnd. Die Melodie ist eine fallende Figur, gleitet aus dem ersten Ton hinab, fängt sich, schwebt wieder empor und erreicht eine vorläufige Kadenz; dann beginnt es noch einmal von vorn. Bei der Wiederholung bin ich schon ein paar Schritte weitergegangen, die Weise erklingt noch einmal neben oder hinter mir, indes ich das Fagott vor mir sehe, ein frühes Instrument aus merkwürdig hellem Holz.
***
Später im Radio den Bachchoral „Jesus bleibet meine Freude“ in einer Klavierbearbeitung von Busoni.
***
Indessen, draußen, vor dem Fenster ein Buchfink, weder nah noch fern, und ebenso an den Dingen beteiligt wie unbeteiligt, ahnungslos, freundlich, ein vergnügter Teil der Welt, der bei allem, was diesen Augenblick ausmacht, unersetzlich ist.
***
Der Traum, der Choral, der Buchfink: Die Augen geschlossen, den Kopf zurückgelehnt und etwas zu Seite geneigt, nur noch im Ohr beheimatet sein. Gestern und morgen, das Jahr und der Tag, Nächte und Morgen, Stimmen und Blicke, das Nahe wie das Ferne kommen in einem einzigen einfachen Ort zusammen, in dem alles, was man nur denken kann, die Bedeutung reiner Freude hat und sich ganz leicht auflöst in den Kullertränen eines unaussprechlichen Glücks.
von:
Talakallea Thymon - am: 12. Apr, 12:38 - in: Daß alles für Freuden erwacht
Noch einmal von einer Fellatio geträumt. Nein, nicht sie mir, sondern ich – ihr. Ja, ihr: Sie besaß nämlich, so fügte es der Traum merkwürdig zusammen, ein Organ, wie man es bei Frauen an dieser Stelle sonst nicht findet, und dieses Organ funktionierte ganz genauso wie es bei einem Mann für gewöhnlich funktioniert. Unter einer Decke zwischen Elenas Beinen hockend (ihr Gesicht, weit oben, war verborgen), hatte ich ihre Eichel (was für ein rätselhaftes Pronomen in diesem Kontext) im Mund und rieb mit der Zunge über das Frenulum, hatte die Hand mit sanftem Druck auf die Stelle gelegt, wo die Haut des Penisschafts in die Haut des Scrotums übergeht, und zog in langsamem, melkendem Rhythmus. Es dauerte nicht lange. Elena stöhnte, rief, gedämpft durch die Decke, etwas, das sich wie ein Protest anhörte, zuckte dann ein paarmal kurz aus dem Becken heraus, und im selben Augenblick strömte etwas Lauwarmes in meinen Mund, dicklich-süß wie Hafersuppe. Ein paar Silbertropfen glänzten auf Elenas Bauch. Fasziniert und voller Erregung, konnte ich mich dennoch nicht zwischen schlucken und spucken entscheiden. Indes machte mir Elena, alles andere als beglückt, zornige Vorwürfe: Sie hätte doch nicht kommen wollen, sie möge das nicht, weil ihr die Vorstellung unangenehm sei, daß ich das, was sie absondere, in meinem Mund habe, sie fände das ekelhaft.
Ich fand es wundervoll. Ich glaube, ich hatte ein bißchen ein schlechtes Gewissen, als hätte ich Elena zuvor versprochen, rechtzeitig aufzuhören, und ihr Vetrauen mißbraucht. Andererseits, dachte ich, warum sind Frauen manchmal so pienzig?
Was war das nun? Was für Wünsche und Sehnsüchte materialisierten sich da? Ich war beim Aufwachen wie berauscht. Nein, ich selbst hatte keinen Höhepunkt erlebt, vielmehr hatte sich der ganze Genuß einzig auf das Fühlen dieses fremdvertrauten Organs in meinem Mund und darauf konzentriert, wie Elena auf meine Liebkosungen reagiert, ihre Hüften gestreckt und gezuckt hatte und, gleichsam gegen ihren Willen, überwältigt, gekommen war. Ich empfand eine verzückte Wehmut beim Erwachen, eine untröstliche und süße Enttäuschung darüber, daß es so etwas ja nicht gibt, daß ich diese Erfahrung nicht machen werde, obwohl ich vor Neugier brenne; weil, wenn an dem Organ ein ganzer Mann festgewachsen wäre, die Hemmung jede noch so brennende Neugier bei weitem überwöge und es mich abstoßen würde, das zu tun, was der Traum mich mit der so wundersam ausgestatteten Elena hatte tun lassen … Und weil ich mich nur trauen würde, wenn eine Frau so ein Organ hätte; und schließlich auch wieder einmal darüber daß wir, Elena, alle Frauen, ich, alle Männer, für immer in unserem Geschlecht gefangen sind (für uns selbst und für den anderen) und zeit unseres Lebens nur herumrätseln können, wie es für die andere Hälfte unseres ursprünglich-zwittrigen Wesens sich anfühlen mag, liebkost zu werden – oder sich selbst zu liebkosen.
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Talakallea Thymon - am: 26. Mär, 20:40 - in: Nicht mit gar zu fauler Zungen
Die Schreie schleppen Männer hinter sich her, blaugrauschwarze Schleppen in öligen Overalls, lassen sie übern den Kiesweg schleifen. Die Schreie, derb und ein bißchen frech, schütteln die Männer immer wieder gründlich durch und zwingen ihnen, besonders die langgezogenen, den Kopf in den Nacken. Die Schreie haben dicke Brillen, durch die wilde Augen linsen. Die Schreie haben einen verzerrten Mund und schwarze Finger, mit denen sie auf das Gerüst vor dem Gebäude zeigen, wo ein Getrampel über Gitter und Trittstufen aus Blech an Gummisohlen festgewachsen ist, ein zitternder Schepperbaum. Man sieht nicht, wohin die männernden Schreie zeigen. Den Schreien nach ist es was Wichtiges. Leises Gurren läßt plötzlich Tauben aus den Zwitscherschwärmen herausregnen. Knattern und Dröhnen spuckt einen Traktor über den zerpflügten Rasen hin. Irgendwo rasselt etwas.
Aus dem Schaben und Scharren auf Stein und Asphalt wachsen Rechen und Schaufeln heraus, größer als die Männer der Schreie, baumhoch und verästelt, beherbergen sie Nester aus Schnaufen und Husten, deren gewundene Gerten fransig sind und zerfasert und einen drahtigen Bast absondern, der sich wie ein Röcheln in den unhörbaren Strömungen der Luft bewegt.
Die Fensterscheiben filtern nicht nur das Licht, sondern auch den Schall. Was hier ankommt, ins Souterrain hineinstreut, das hat keine meßbare Entfernung, ist weder hier noch dort, sondern gleich präsent, hat jede Qualität eines Ortes oder einer Richtung verloren und damit auch die Ordnungen von Ursache und Wirkung. Man könnte sagen, alles Geschehen von Klang und Licht in der Zeit spielt sich auf einer einzigen tiefenlosen Ebene ab, der Fläche der getönten Scheiben, durch die alles hindurchmuß, was an Information der äußeren Welt hier hereinströmt. An dieser Fläche bleibt alles haften und bildet zweidimensionale Projektionen nicht nur des vermutlich dreidimensionalen Raumes jenseits, sondern auch des vieldimensionalen Gewebes von Nacheinander, Folge, Entwicklung und Ursache, aller Verschlingungen des Zeitlichen, des Lichtvollen, des Klanges. Aus unserer Höhle betrachtet ist die Landschaft draußen ein merkwürdiges Durcheinander unzusammenhängender Klänge und Bewegungen, deren Verweise aufeinander in mehreren Richtungen Sinn ergeben.
von:
Talakallea Thymon - am: 24. Mär, 11:07 - in: orte. wege
nun davon halten. Prankt doch auf einer Taschenbuchausgabe des Romans Sturmhöhe, die man in einer Filiale einer großen Buchandelskette, welche sich nach der griechischen Muse des Theaters benannt hat, aus dem Regal zieht, prankt da also auf dem Buchdeckel, gut sichtbar rechts unter dem Titel, etwas, das die Werbefritzen in einer für die Branche seltenen Einsicht und Unverblümtheit „Störer“ nennen. Ein kleines, rotes Aufkleberchen. Darauf steht in schwarzen Lettern geschrieben:
„Lieblingsbuch von Bella und Edward!“
Das erinnert mich an das Jahr 1990, als es manchen Buchhandlungen einfiel, auf druckfrische Ausgaben von Max Frischs Homo Faber ein Aufkleberchen mit dem Vermerk „Das Buch zum Film“ anzubringen. Man darf sich die Frage stellen, welche LeserKäuferschaft die Handelskette im Falle von Sturmhöhe mit sochen Hinweisen anzulocken hofft.
Anders formuliert: Wie groß mag wohl die Schnittmenge aus der Mengen der Stephenie-Meyer-Leser und der Menge der Emily-Brontë-Leser sein …?
von:
Talakallea Thymon - am: 4. Mär, 13:09 - in: O tempora, o mores!
Bei Herodot (I, 139) gibt es eine Stelle, wo man sich an gewisse onomastische Verhältnisse bei Asterix erinnert fühlt:
Auch folgendes hat sich bei den Persern so ergeben, was ihnen selbst gar nicht klar ist, mir aber schon: Ihre Eigennamen, die körperliche Eigenschaften oder gesellschaftlichen Rang bezeichnen, enden alle auf denselben Buchstaben, den die Dorer „San“, die Ionier „Sigma“ nennen; wenn man diese Sache untersucht, stellt man fest, daß alle Namen der Perser so enden, nicht die einen so und die anderen anders, sondern alle gleichermaßen.
καὶ τόδε ἄλλο σφι ὧδε συμπέπτωκε γίνεσθαι, τὸ Πέρσας μὲν αὐτοὺς λέληθε, ἡμέας μέντοι οὔ• τὰ οὐνόματά σφι ἐόντα ὅμοια τοῖσι σώμασι καὶ τῇ μεγαλοπρεπείῃ τελευτῶσι πάντα ἐς τὠυτὸ γράμμα, τὸ Δωριέες μὲν σὰν καλέουσι, Ἴωνες δὲ σίγμα• ἐς τοῦτο διζήμενος εὑρήσεις τελευτῶντα τῶν Περσέων τὰ οὐνόματα, οὐ τὰ μὲν τὰ δ’ οὔ, ἀλλὰ πάντα ὁμοίως.
Dazu schreiben W. W. How & J. Wells (A Commentary on Herodotus, Oxford 1912):
Herodotus is at his weakest as a linguist (cf. explanation of royal names, vi. 98. 3 n.); yet he seems to have valued himself on this score. He makes two remarks on Persian names, which are both inaccurate:
(1) That they all have a certain meaning. σῶμα is variously taken (a) by Stein, in ageneral sense, „individuals (32. 8) and their honourable nature“; (b) by Macaulay, „their bodily shape“ (which is simpler). Whichever sense be given, Herodotus is too absolute; nor is he consistent; cf. vi. 98. Some Persian names referred to deities (cf. Mithradates, „given by Mithra“); others to personal appearance (Otanes, „fair of body“); others (e.g., Darius, „possessor“) to position, etc.
(2) That all names end in S. This, in the first place, ignores all feminine names. Even of men’s names, it is only true of the Greek forms; in Persian, s (sh) was retained after i or u, e.g., Darayavaush = Darius, but not otherwise, e.g., Vistâçha (Hystaspes), where, however, the final a was not written. For the interesting statement as to the Greek alphabet cf. Roberts, Gk. Epig. p. 8seq. The Phoenicians had four signs for sibilants, each of which was borrowed in part by Greece:
(1) The hard Samech (No. 15 in the Phoenician alphabet), probably = „Sigma“ Others, however, make „σίγμα“ („the hissing letter”) a genuine Greekword (from σίζω).
(2) The lingual Tsade.
(3) The palatal Shin.
(4) There was also the soft Zazin.
Of these the name Tsade survives in Zeta, while „Samech“ was transferred to the place of „Shin“ The sign of Samech and its place in the alphabet after Nun, were left to the later Xi.
von:
Talakallea Thymon - am: 2. Mär, 12:11 - in: egregie dicta