Samstag, 27. Juni 2009

Achselhaar

Die Revolution fand still und leise statt. Niemand sprach darüber. Niemand protestierte. Die Nachrichtensender wußten von nichts. Keine Talksendung nahm sich des Themas an, keine Zeitung berichtete. Die Menschen schwiegen und schauten weg, wenn sie denn überhaupt bemerkten, was los war. In aller Heimlichkeit vollzog sich die Wende.
Wann genau es passierte, weiß man nicht. Aber es muß sehr schnell gegangen sein. Im Sommer 1997 war noch nichts zu bemerken gewesen, doch als ich im Herbst 1998 von einem längeren Auslandsaufenthalt wiederkam, da war schon alles vorbei und überall stillschweigend beschlossene Sache. Niemand hatte widersprochen. Alle fügten sich.
Fügten sich wem?
Es gehört zu den ungeklärten Fragen der Massenpsychologie, wieso plötzlich Millionen Menschen, die einander nicht kennen, sich nicht absprechen, ihre Meinung nicht austauschen, quasi unabhängig voneinander den selben Gedanken haben können. Wie plötzlich Millionen Frauen im Verlauf eines einzigen Jahres gemeinsam aber jede für sich beschließen: Ab sofort rasiere ich mich unter den Armen. Ab sofort sind Achselhaare bäh. Ab sofort waren Achselhaare eigentlich schon immer bäh.
Staunte man vor diesem entscheidenden Jahr über eine rasierte Achsel, während selbst der üppigste Unterarmbusch niemandes Aufmerksamkeit erregt hätte, so war es jetzt umgekehrt. Achselhaar sah man nicht mehr, und wer es dennoch trug, war eine Ausnahme und fiel auf. Nur ich hinkte meiner Zeit hinterher, weil ich nicht in Deutschland gewesen war, als sich die Verhältnisse änderten. So sprang mir umgekehrt, gleich einem Zeitreisenden, nicht das selten gewordene, für mich noch normale Haar, sondern das plötzliche Fehlen desselben sogleich ins Auge. Es war Winter, und der Anblick entblößter Achseln eher selten. Aber nachdem ich im Frühjahr die dritte, die vierte blanke Axilla erblickt hatte, wunderte ich mich; und mit steigenden Außentemperaturen begriff ich allmählich: Entscheidendes mußte sich während meiner Abwesenheit getan haben.
Gab es eine prominente Vorreiterin? Waren die deutschen Frauen sich plötzlich bewußt geworden, daß in anderen Ländern andere Sitten herrschten? War es ein Komplott der Kosmetikindustrie, die rasanten Absatz an Wachs, Klinge und Depilator erwartete? War es ein fixe Idee gelangweilter Frauenzeitschriftredakteurinnen? Hatte das Gesundheitsamt Bedenken angemeldet? Schwappte wieder mal eine Welle aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu uns über den Atlantik? Oder war es das alles zusammen?
Ich war erschrocken. Ich kann nicht sagen, was mir besser gefällt, Glätte oder Busch, beides hat etwas. Ich kann es wirklich nicht sagen. Irgendwie finde ich aber, daß Natürlichkeit die Regel, Künstlichkeit die Ausnahme sein sollte. Da ist es mit dem Rasieren weiblicher Haare, wo auch immer sie wachsen wollen, ebenso wie mit Schminken, Färben, Lackieren, oder dem Auftürmen rätselhaft-komplexer Frisuren. Doch meinetwegen: Das Unveränderte ist zwar immer noch am schönsten, aber der Abwechslung zuliebe kann auch geschmeidige Glätte an der einen oder anderen Körperstelle gefallen. Oder praktikabler sein.
Doch störte mich weniger die Tatsache der Achselhaartilgung an sich, sondern was mich so erzürnte, das war die stillschweigende Übereinkunft, mit der so plötzlich auf breitester Front gegen dieses Naturreservat vorgegangen wurde. Denn eine Vorliebe wie jene plötzlich Aufgekommene ist ja nicht voraussetzungslos, und da sie mir in engem Zusammenhang einer allgemeineren Künstlichkeitsanbetung zu stehen schien, und auch, weil so etwas kaum umkehrbar ist, machte mich diese Übereinkunft rasend. Von wem ging das jetzt wieder aus? Reichte es nicht aus, daß diese armen Geschöpfe sich förmlich zu Tode hungerten, nur weil ein paar nekrophile Modehengste das hip fanden? Da schien sich doch wieder einmal die eine Hälfte der Menschheit einem absurden, nicht lokalisier- oder auch nur benennbaren Zwang zu beugen – und glaubte auch noch, sich in Freiheit dafür entschieden zu haben! „Mir gefällt das Haar nicht“. „Nö, finde ich häßlich“. „Blank gefällt mir einfach besser“. „Man schwitzt nicht so“. „Ich brauche weniger Deo“. „Ich würde mich auch enthaaren, wenn es sonst keine täte“. „Aber … das haben wir doch schon immer so gemacht!“
Ja, Pustekuchen.
Wie sehr kann einem die Erinnerung einen Streich spielen? Kann man einen Zwang so sehr verinnerlichen, daß es unvorstellbar scheint, daß er nicht schon immer geherrscht hat? Und wenn es so vernünftige Argumente wie vermindertes Schwitzen und größere Deo-Effektivität gibt: Warum hatten die Frauen dann nicht schon von je zur Zuckerlösung gegriffen?
Aber es ist wohl zwecklos zu jammern. Ja, wenn man genau hinschaut, dann ahnt man: es kommen noch härtere Zeiten. Schon hüpfen die ersten Jungmänner blankachselig im Freibad umher. Demnächst zupfen die sich auch noch die Augenbrauen.
Und am Ende kommt es noch so weit, daß ich mir ein Deo anschaffen muß.
Gregor Keuschnig (Gast) - 7. Mär, 13:09

Schöner Text

Bei der Wikipedia gibt es zu "Achselhaar" einen eigenen Artikel; sogar mit Bild!

Man beachte den letzten Satz - Sie vermuten also richtig.

Unke (Gast) - 8. Mär, 13:47

danke für den hinweis!
C. Araxe (Gast) - 8. Mär, 10:12

Wieso demnächst? Hier rennen schon genug Männer mit gezupften Augenbrauen rum. Geht ja noch im Vergleich hierzu.

Die anderen Zeiten kündigen sich schon (wie immer) auf der anderen Seite des großen Teiches an: Retrotrend - Achselhaare wieder wachsen lassen.

Was würden wir nur ohne Amerika machen?

Unke (Gast) - 8. Mär, 13:47

ja, orientierungslose narren wären wir ohne amerika ...
Amy (anonym) (Gast) - 4. Jun, 16:30

Nur zu wahr...

Nur zu wahr ist das, was du schreibst Unke, leider.
Wenn man bedenkt, dass Achselhaar in Deutschland früher als völlig normal und auch als erotisch angesehen wurde, wird man heute, wenn man sich die Achselhaare nicht rasiert, achräg angeschaut oder kassiert noch irgendeinen bescheuerten Kommentar... und das alles, weil wir alles den Amerikanern nachmachen müssen und auch deren krankhaftes schönheitsideal übernommen haben. In den USA gilt Achselhaar bei Frauen als "unhygienisch". Seltsamerweise ist es dort bei Männer aber akzeptiert Achselhaar zu haben, dabei schwitzen Männer doch stärker als Frauen.. Das Argument der Hygiene gilt für mich nicht; solange man sich regelmäßig wäscht, riecht man auch nicht nach Schweiß.
Glücklicherweise habe ich in der letzen Zeit den Eindruck, dass das Schönheitsideal des haarlosen Körpers am Kippen ist und damit auch Achselhaare wieder modern werden. es gibt übrigends auch prominente Frauen, die sich nicht unter den Armen rasieren, wie Charlotte Roche oder Sean Young.

Unke (Gast) - 6. Jun, 13:43

Bei denen ist es dann aber immer schon BEKENNTNIS. Das ist schade.
Die hygiene ist natürlich quack. Das ist so ähnlich wie mit oralsex, der auch viel hygienischer ist, als jemanden auf den mund zu küssen, medizinisch betrachtet. aber unsere wahrnehmungen gehen eben mit den tatsächlichen gegebenheiten nicht hand in hand.

im übrigen kann auch eine rasierte achsel wunderschön und ausgesprochen sexy sein, nur was mich stört: der massenwahn. die achselrasur ist eben KEIN ausdruck der persönlichen vorliebe (auch wenn alle rasiererinnen das selbstverständlich behaupten), sondern eine uniforme bewegung, ein zwang, dem alle folgen, weil sie folgen zu müssen glauben.
da könnte ich die wände hochgehen. der BH-zwang ist auch noch so ein thema. in meiner jugend ging frau auch mal ohne, wenn ihr danach war. und, nein, nicht nur die mit den apfelbrüsten.
Amy (anonym) (Gast) - 16. Aug, 22:59

Hallo Unke, ich bin's wieder mal.
Du hast natürlich recht, auch rasierte Achseln können sexy aussehen, aber wie du es sagst dieser "Zwang" der dahinter steckt, sich die Achseln(oder Beine) zu rasieren missfällt mir.
Wenn ich da an die Achselhaare von Nena in den 80ern denke, da hat sich d keiner in Deutschland aufgeregt, das war damals ganz normal...
Es scheint übrigends Hoffnung auf Besserung bezüglich der Akzeptanz von Achselhaar zu geben: //www.netzeitung.de/entertainment/people/430583.html
Ich finde es echt klasse, dass Tony Collette sich durchgesetzt hat und das auch noch in den USA, man staune, es geschehen doch noch Zeiten und Wunder!

Unke (Gast) - 17. Aug, 09:47

Hallo Amy!

Schön, daß Du mal wieder hier vorbeigeschaut hast! Danke für Deine neuesten Informationen zum Thema, ich werde mich gleich mal damit beschäftigen ...
Nena trug also Achselhaar? Sieh an, so normal war das also ... das war mir nicht bewußt. Aber ich hab ja damals auch nicht darauf geachtet, so normal war das.
Hab aber neulich während der Hitzewelle mal wieder jemanden mit prachtvollem Haar gesehen. Vielleicht ist es ja rückläufig, und es rollt eine Natürlichkeitswelle auf uns zu? Was natürlich schade ist und bleibt, ist sozusagen der Verlust der Unschuld. Man kann nicht wieder zu den Zeiten zurück, wo man einfach nicht darüber nachdenken mußte, ob man nun rasiert oder nicht. Seid dem Rasurwahn muß man eine Entscheidung fällen, vorher mußte man das nicht. Es gibt jetzt ein Bewußtsein darüber, sozusagen ein Achselbewußtsein; als hätten die Frauen plötzlich gemerkt, daß sie überhaupt eine Achselhöhle haben. So etwas kann man nicht zurückdrehen, fürchte ich. Insofern wäre auch ein breiter Rasurverzicht eben eine bewußte Entscheidung, ein Verzicht eben, und somit auch wieder nur ein Diktat. Man hat nun ein für allemal begriffen, daß man etwas manipulieren kann. Und tut es. Auch eine Nichtmanipulation ist dann eine Manipulation und bedeutungstragend.

Hast Du eigentlich auch eine HP?

Gruß
U.
Amy (anonym) (Gast) - 18. Aug, 18:40

Neue Natürlichkeit?

Hallo Unke!
Habe soeben dies hier im Internet gefunden://www.zeit.de/leben/geschmacksfragen/060602_husmann
Entsetzlich, dass auch noch eine so seriöse Zeitung wie die "Zeit" solche Dinge schreibt und dann auch noch auf den Islam verweist, ganz als ob wir uns diesem anpassen sollten pfff....
Allerdings wecken die Kommentare unter dem Artikel durchaus Hoffnung.
Vielleicht ist dies der Beginn einer neuen Modewelle, der "Neuen Natürlichkeit". So haben alle den Rasierwahn satt, denn es ist mittlerweile schon soweit gekommen, dass sogar die "Zeit" die Achselhaarrasur empfiehlt.
Allerdings würde dieser neue Trend wiederum impliziern, dass diejenigen, die sich rasieren, als "künstlich" oder "steril" verachtet würden...
Wie Du sagst, die Zeit der Unschuld ist (leider) vorbei.
Übrigends habe ich (noch) keine eigene HP, denke aber daran mir eine zuzulegen.
Amy

Tomas H (anonym) (Gast) - 25. Sep, 04:05

1997 -1998

Unke, danke für diesen Beitrag!
Weltbewegend ist es ja nicht, aber ich wollte mal fragen, ob Du sicher bist, dass sich diese Wende nicht schon früher vollzog. Ich kannte schon vorher genug Frauen, zumindest in Hamburg, die sich rasierten. Es waren eher die jüngeren. Ich bin neugierig, zu erfahren, in welcher Gegend und von welcher gesellschaftlichen Gruppe die Frauen waren/sind, von denen du schreibst.
Michael (anonym) (Gast) - 9. Nov, 19:38

Danke!

Das musste gesagt werden! Und schöner Text!

arboretum (Gast) - 15. Nov, 21:29

Na, eigentlich machten das viele Frauen doch schon in den frühen 80ern, jedenfalls im Westen, selbst die, die sich nicht die Beine rasierten/epilierten. Nena wurde in jenen Jahren stets von der englischen Musikpresse wegen ihrer unrasierten Achseln verspottet - es erschien kein Artikel über sie, wo das nicht erwähnt wurde -, und ich kann mich daran erinnern, dass wir uns wunderten, warum sie die nicht wegrasierte. 1998 waren dann doch schon allmählich die Bikinizonen dran, da breitete sich immer mehr der Kahlschlag aus.

In Russland rasierten sich zu sozialistischen Zeiten übrigens durchaus auch Männer die Achseln -weil es eben kein Deo zu kaufen gab.

Unke (Gast) - 16. Nov, 10:00

Ich freue mich, Sie hier zu treffen!

Der einwand, das habe es schon viel früher gegeben, ist oft vorgebracht worden, jedoch deckt sich das nicht mit meiner wahrnehmung. ich denke aber, daß es in deutschland anders zuging als etwa in großbritannien, daß hier also deutschland zurückgeblieben, bzw, wie ich es lieber formuliert sehen möchte, unverdorbener, natürlicher und, ja, naiver war. und genau diese naivität, diese sorglosigkeit (achseln? habe ich da haare? ach ja, jetzt wo Sie es sagen ...) wurde zum fraglichen zeitraum irgendwie zerstört, kam abhanden, man hatte irgendeinen von außen herangerollten apfel der erkenntnis gegessen, und "sie sahen, daß sie behaart waren und suchten das gekräusel zu vernichten" ...
arboretum (Gast) - 16. Nov, 19:35

Vielleicht hat es da regionale Unterschiede gegeben [oder Sie waren Anfang der 80er vielleicht noch zu jung, um Frauen auf die Achseln zu schauen? ;-)].

Meine Wahrnehmung ist jedenfalls, dass es in meiner Umgebung fast alle Frauen - einschließlich mir und meinen beiden Schwestern -, machten. Das sah man ja im Sommer ganz gut. Mir fällt nur eine Freundin ein, die sich die Achselhaare nicht rasierte - dafür aber alles andere, das war allerdings dann auch schon in der zweiten Hälfte der 80er.

Ob unrasierte Achseln unverdorbener sind, sei einmal dahingestellt - mit Sicherheit riechen sie schlechter (Schweiß, Haare, Bakterienbildung usw.). Mit dem Begriff der Natürlichkeit gerade im Zusammenhang mit den Deutschen, tue ich mich hier aus historischen Gründen schwer. Die deutsche Frau ist natürlich, sie schminkt sich nicht ... Blut und Boden.

Äußerlichkeiten spielten in den 80ern auch schon eine Rolle, nur einige Hardcore-Feministinnen und Lesben trugen da keine BHs (hatten ja alle in den 70ern verbrannt). Aber man traf auch in Frauenzentren Frauen mit BH, Make-up und rasierten Achseln. Das können Sie mir glauben, ich war dort.

Ich verstehe aber, was Sie meinen, wenn Sie das Gefühl innocent lost beschreiben. Meiner Wahrnehmung passierte das in den 90ern, als die S/M-Welle massiv über das Land schwappte, nicht zuletzt auch dank der privaten TV-Sender und den unzähligen Talkshows.

Ich war früher schon ein paar Mal hier, habe aber nur nichts gesagt. Eine Zeit lang war mir dieses Blog dann wieder aus dem Sichtfeld verschwunden, ich glaube, Sie ließen es auch etwas ruhen, nicht wahr?
Unke (Gast) - 20. Nov, 10:19

Anfang der 80er war ich gerade in dem alter, wo man anfängt, derlei wahrzunehmen. ich kann mich gut an den schock erinnern (ich war ein spätentwickler), den ich empfand, als ich bei den mädchen zum ersten mal haar aufschimmern sah. und ich kann mich erinnern, daß niemand, wirklich niemand, dieses haar entfernte, als 14--15jährige nicht, und später auch nicht.
in meiner erinnerung war auch jahre später noch -- eben bis zu besagtem sommer '99 -- die rasierte achsel (von filmstars und schwimmerinnen abgesehen) die absolute ausnahme, (da mich achseln sehr anziehen, habe ich immer darauf geachtet) nicht nur in Mannheim, wo ich aufgewachsen war, sondern auch im Rheinland, wo ich mittlerweile lebte. es war, ich kann es nicht anders sagen, als ob die frauen sich gar nicht bewußt waren, daß sie da überhaupt behaart sind. und auch von meinen freundinnen hat sich damals keine die axilla rasiert, selbst die nicht -- man staune! -- selbst die nicht, die sich sehr wohl die beinhaare entfernten. die achsel blieb sie sie war. nicht als bekenntnis der natürlichkeit, sondern, weil darüber gar nicht nachgedacht wurde. behaart und dunkel auch im sommer. auch leicht bekleidet. darüber wurde gar nicht nachgedacht.
und was die bh-freiheit angeht, so war das keine ideologische entscheidung, kein protest, kein märtyrertum, keine kundgebung, sondern einfach je nach lust und laune, wetter, oberbekleidung, faulheit, wie es eben gerade kam. "unverdorben" in dem sinne, daß man nicht gezwungen war, sich zu entscheiden, weil mit der entscheidung kein bekenntnis verbunden war.
nun noch ein letztes wort zu "natürlichkeit". das ist eins der konzepte und ausdrücke, für die ich, ungeachtet geschichtlicher belastung, für mich unschuld in anspruch nehme.

mirko (anonym) (Gast) - 19. Jan, 10:41

haarige beine sind ja im gegensatz zu haarigen achseln nicht schön.
dafür das im koran steht man solle sich die körperbehaarung entfernen gibt es aber wirklich hygienische gründe, schließlich kommt der islam aus der wüßte und wasser ist da halt sehr kostbar und zum waschen zuschade.
zum zeitpunkt ist noch zusagen ich glaube das war ein schleichender prozess, 1999 hab ich mir noch einen spaß draus gemacht im sommer raus zufinden wer achselhaare hat und wer nicht und da war noch irgendwie 50:50
-----
Ralf (Gast) - 16. Feb, 10:54

"Schon immer getan...", von wegen.

Ich stimme der Autorin vollkommen zu. "Jeder, wie er will", argumentieren viele, wenn die Argumente ausgehen. Dabei sind die Argumente pro Behaarung überzeugend. Unsere Behaarung absorbiert den Schweiß (man schwitzt also im Vergleich zur Rasur nicht mehr oder weniger), sie regelt die Körpertemperatur, sie schützt unseren Körper vor Keimen und Bakterien (die z.B. Abszesse verursachen können) und sie verbreitet unsere Pheromone (das sind unter anderem Sexuallockstoffe, die man nicht riechen kann, wie z.B. Vanille...).

Wie die Autorin geschrieben hat, lassen sich die meisten Menschen tatsächlich so sehr beeinflussen, dass sie sich sogar selbst einreden, man habe sich doch schon immer rasiert. Das kann gar nicht sein!
Und die meisten derjenigen, die andere wegen ihrer Behaarung oder kritisieren, oder solche, die Behaarung bei anderen als sexy empfinden, haben selbst gar keine EIGENEN Vergleichsmöglichkeiten, und können deshalb gar nicht mitreden. Punkt.

Ich habe mein damaliges Internetportal fünf Jahre lang gepflegt (hatte es dummerweise nach einem Hacker-Angriff gelöscht), und hatte User aus aller Welt. In diesem damaligen Portal ging es nicht nur um die Behaarung als sexuellen Fetisch, sondern auch um die Behaarung aus wissenschaftlicher Sicht, auch im Bereich der Dermatologie.
Zwei Beispiele von Userinnen. Beide wollten eigentlich so sein, wie sie tatsächlich sind und auch sein möchten. Mit der Rasur konnten beide sich deshalb nicht identifizieren. Und dennoch hatten beide Angst, gemobbt(!) zu werden, wenn sie sich nicht rasieren. Die eine war 15 Jahre alt, die andere Ende 40 Jahre. So viel zu "Muss doch jeder selber wissen...".

In einem Punkt kann ich der Autorin nicht hundertprozentig zustimmen. Der aktuelle Rasurtrend hat (wie vieles) in den USA seinen Ursprung. Als nämlich Ende der 1970er Jahre das Aerobic durchgesetzt hatte, mit Beinwärmern und leistenfreien Bodys ("Bodys" sind Kleidungsgegenstände), fand auch die Pornoindustrie "Gefallen" daran und versuchte, den Zuschauern Pornos als "lebensnah" zu verkaufen. Und plötzlich war es nicht mehr normal, wenn unten aus den Bodys Haare rausschauten...
Übrigens gab es bereits während der 1950er Jahre Pornos, in denen rasierte Darstellerinnen zu sehen waren, diese Filme wurden dann mit "Skandal-Video" betitelt. Und die Rasur ansich ist auch nichts Neues, sondern rasiert wird seit etwa 5.000 Jahren. Wobei es allerdings Reliquien gibt, die belegen, dass die Menschheit vor 30.000 Jahren ihre Haarpracht gehegt und gepflegt haben.

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